Der 16. März 1949. Kriegsgefangenenlager Bretzenheim

Am 16. März 1949 gab die französische Militärregierung das Gelände des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Bretzenheim an die rheinland-pfälzische Landesregierung zurück. In diesem Lager, das als "Feld des Jammers" in den ersten Wochen und Monaten traurige Berühmtheit erlangte, starben aufgrund der primitiven Unterbringung, der unzureichenden Ernährung und der mangelnden ärztlichen Versorgung Tausende Gefangene. Das Lager, das im April 1945 von den Amerikanern errichtet worden war und seit Juli unter französischer Verwaltung stand, wurde seit 1947 als reines Durchgangslager genutzt und Ende 1948 vollständig aufgelöst. Seit Oktober 1966 erinnert ein Mahnmal an die mit diesem Lager verbundenen Leiden vieler Menschen.  

Millionen deutscher Soldaten und auch Zivilisten gerieten kurz vor und nach der Kapitulation des Deutschen Reiches in Kriegsgefangenschaft. Die Alliierten waren nicht darauf vorbereitet, diese Flut von Gefangenen nach den Vorgaben der Genfer Konvention unterzubringen und zu behandeln. Die sogenannten "Rheinwiesenlager" entstanden. Allein in der Umgebung von Bingen befanden sich die Lager Dietersheim, Bretzenheim und Heidesheim. Riesige Flächen, in den meisten Fällen Ackerland, wurden für diesen Zweck mit Stacheldraht umzäunt und mit Gefangenen belegt. Das Lager Bretzenheim hat als "Feld des Jammers" in den ersten Wochen und Monaten nach dem Kriegsende traurige Berühmtheit erlangt. "Bretzenheim ist ein Begriff geworden in allen Zonen Deutschlands und darüber hinaus bis Ungarn und Österreich - durch sein Kriegsgefangenenlager, das vom April 1945 bis Jahresende 1948 Hunderttausende für längere oder kürzere Zeit beherbergt hat. Es ist eine düstere Berühmtheit, die der Name des Dörfchens bei der Mehrzahl seiner "einstigen Gäste" gewonnen hat, und Tausende möchten diese leidvolle Epoche in ihrer Erinnerung lieber auslöschen."

Das Lager lag südlich des Ortes Bretzenheim, entlang der Straße von Bretzenheim nach Bad Kreuznach, der heutigen Bundesstraße 48 (Naheweinstraße). Das weite bis zu den Weinbergen reichende Gelände umfasste eine Fläche von ca. 210 - 220 ha und wurde zeitweise mit weit über 100.000 Gefangenen belegt. Von Ende April bis 10. Juli 1945 stand das Lager unter dem Kommando der US-Army. Die hier untergebrachten Menschen wurden nicht als Kriegsgefangene nach den Bestimmungen der Genfer Konvention, sondern als Displaced Enemy Forces, als entwaffnete Feindkräfte bezeichnet und behandelt. Es wurde keine Registrierung der Gefangenen und keine Weitermeldung an das Rote Kreuz vorgenommen, sie hatten keinen Kontakt zur Außenwelt und durften keine Post empfangen. Die Unterbringung auf freiem Feld, die Ernährung und die ärztliche Versorgung waren in der Anfangszeit gekennzeichnet von vollständiger Improvisation. Das Lager war in 24 Cages eingeteilt, ein jeweils baum- und strauchloses Gelände, das eine Länge von 800 - 1000 m und eine Breite von 500 m hatte. Diese Käfige waren von einer doppelten 2 - 3 m hohen Stacheldrahtumzäunung umgeben. "Das Lager glich einem riesigen Ameisenhaufen. Die Belegungsstärke in den einzelnen Camps war teilweise so hoch, daß nicht einmal alle Gefangenen Platz zum Liegen hatten. Es ist mir noch deutlich in Erinnerung, daß wir uns in großer Zahl teilweise schon mittags hinzulegen begannen, um einen Liegeplatz für die Nacht zu haben." Gegen den Regen und die Kälte gruben sich die Gefangenen in die Erde ein. Diese Erdlöcher, die sogenannten Fuchsbauten, boten zumindest etwas Schutz gegen die Witterung. Auch die Ernährung war völlig unzureichend. Die Tagesration bestand nicht selten aus drei Esslöffeln Gemüse, einem Löffel Fisch, ein oder zwei Backpflaumen, einem Löffel Margarine und vier bis sechs Keksen. Diese Bedingungen, die ergänzt wurden durch fehlende sanitäre Einrichtungen und mangelhafte medizinische Versorgung, waren die Ursachen für die hohe Sterblichkeitsrate in dem Lager. Der Hungertod, Seuchen und andere Krankheiten waren an der Tagesordnung. "Der Kreisverband Bad Kreuznach des Verbandes der Heimkehrer, Kriegsgefangenen und Vermißten spricht davon, daß in den Monaten Mai bis Juli 45 allein im Lager Bretzenheim etwa 3.500 ehemalige deutsche Soldaten gestorben seien."

Langsam begann sich das Lager weiter zu leeren. Die arbeitsfähigen Kriegsgefangenen wurden zur Zwangsarbeit nach Frankreich transportiert. Die Amputierten, Alten und Jugendlichen erhielten Ende Juli ihre Entlassungspapiere. Einige Hundert Gefangene blieben in dem Lager zurück, das ab Oktober als Durchgangslager (Depot de transit Nr. 1) fungierte. Kriegsgefangene wurden auf ihrem Weg nach Frankreich durch das Lager Bretzenheim geschleust und hier registriert. Seit dem Winter 1945/46 trafen auch die ersten arbeitsunfähigen Gefangenen aus Frankreich ein. Seit Herbst 1945 hatten die Arbeiten zum Barackenbau begonnen, was für die Gefangenen bedeutete, dass die Franzosen das Lager über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten wollten. Zwar "normalisierte" sich das Lagerleben weiterhin - Werkstätten aller Art, eine Kapelle, eine Gärtnerei, ein Schwimmbad und ein Sportplatz und nicht zuletzt die berühmte Musik-, Varieté- und Theatergruppe der "Optimisten" trugen hierzu bei - aber ein Ende der Gefangenschaft war nicht abzusehen. Erst Ende 1948 wurde das Lager Bretzenheim aufgelöst, nachdem es seit 1947 hauptsächlich als reines Durchgangslager genutzt wurde, das täglich Hunderte Gefangene durchliefen, bis sie ihre Entlassungspapiere erhielten.

Die ehemaligen Besitzer des Geländes, Bretzenheimer Bauern und Winzer, hofften nun, ihren Besitz baldmöglichst wiederzuerhalten und das fruchtbare Ackerland nutzen zu können. Aber sehr schnell verbreitete sich in Bretzenheim die Nachricht, "dass die Baracken anderen Zwecken dienstbar gemacht werden sollen. Man spricht davon, dass die verschleppten Personen (Personnes Deplacees), die zur Zeit auf dem Kuhberg, der zur Stadtgemeinde Kreuznach gehört, sich befinden, in Bretzenheim untergebracht werden sollen." Tatsächlich plante die französische Militärregierung, das Gelände für weitere zehn Jahre als Unterkunft für Deportierte zu nutzen, aber die heftigen Proteste der Gemeinde und der vehemente Einsatz der Landesregierung verhinderten diesen Plan. Am 16. März 1949 gab die französische Militärregierung das Gelände an die Landesregierung zurück, die es Ende des Jahres wieder für die landwirtschaftliche Nutzung freigeben konnte, womit die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Bretzenheim endgültig beendet war.

Heute erinnert ein Mahnmal an die Leidenszeit der vielen Gefangenen, die das "Feld des Jammers" kennenlernen mussten. Seine Errichtung ging auf die Initiative des Pfarrers Max Dellmann zurück, der seit März 1964 versuchte mit Spendenaufrufen die notwendigen finanziellen Mittel zu beschaffen. Es gelang ihm mit seinem Engagement, das Interesse einer breiten Öffentlichkeit zu wecken, so dass am 2. Oktober 1966 das heutige Mahnmal, das ein von einem ehemaligen Gefangenen errichtetes einfaches Holzkreuz ablöste, eingeweiht werden konnte.

Quellen

Literatur

  • J. Fickinger: Das Feld des Jammers in Bretzenheim 1945, in: Naheland-Kalender 1975, S. 62 f.    
  • H. Schneider: Bretzenheim an der Nahe. Wenn Steine erzählen. Ein illustrierter Führer zu baulichen Zeugen der Bretzenheimer Geschichte, Bretzenheim 1999
  • G. M. Schuster: Die Kriegsgefangenenlager Galgenberg und Bretzenheim. Kriegsgefangene berichten. Hg. v. Stadt Bad Kreuznach, Bad Kreuznach 1989
  • R. Spenner: Tränen - Tod und tausend Qualen. Vor vierzig Jahren: Kriegsgefangenenlager Bretzenheim. Tatsachenbericht, Bad Kreuznach 1985
  • E. Werner: Kriegsgefangenenlager Bretzenheim. Ein Bericht, Simmern/Hunsrück 1984