Der 15. August 1235. Mainzer Reichslandfrieden

Der Mainzer Reichslandfrieden vom 15. August 1235 ist ein von Kaiser Friedrich II. erlassenes Reichsgesetz, das bis dahin bedeutendste Kaisergesetz für Deutschland überhaupt, das bis zum Ende des alten Reiches zu dessen Grundgesetzen mit Verfassungsrang gezählt wurde. Der Landfrieden, der erstmals auch in Deutsch formuliert wurde, ist ein entscheidender Schritt auf dem Weg zur Entwicklung eines Reichsrechts gewesen und lässt den Willen des Kaisers erkennen, durch Territorialisierung der Herrschaft verfassungsgestaltend in die Weiterentwicklung des deutschen Teilreiches einzugreifen und dort Rechtsfrieden zu stiften. Er markiert zugleich den Höhepunkt der hochmittelalterlichen-kaiserlichen Landfriedenspolitik. Das Gesetz unternahm, indem es die 1220 und 1232 den Fürsten gewährte Privilegien abermals von Reichs wegen bestätigte, damit auch den Versuch, die grundsätzliche Hoheit des Kaisers und seine Herrschaft als Rechtsgrundlage landesfürstlicher Gewalt zur Geltung zu bringen.  

"Die Gottes- und Landfrieden durchziehen in langer Kette vom ausgehenden 11. Jahrhundert bis zum Ende des Mittelalters die Geschichte des römisch- deutschen Reiches und seiner Territorien. Wie ihre Vorbilder im westlichen Europa, die zahlreichen als pax dei oder treuga bekannten Friedensaufrichtungen, zielen auch die deutschen Gottes- oder Landfrieden darauf ab, die Wiedergutmachung (satisfactio) von Unrecht dadurch zu befördern, daß sie den eigenmächtigen Rechtsauftrag, insbesondere die mittelalterliche Fehde, eindämmen und eingrenzen und andere, friedlichere Verfahren des Rechtsaustrags begünstigen. Dies geschieht einerseits durch Verbote und Gebote, die Friedenszeiten oder Friedensinseln schaffen oder auch einzelne, als Akte möglicher rechtmäßiger Gewalt denkbare Handlungen untersagen; andererseits geschieht dies dadurch, das solche Friedensregeln durch die Androhung von Sanktionen unterschiedlichster Art, aber auch durch besondere Institutionen und Verfahrensinstrumente gegen Verletzungen abgesichert werden." (Wadle)