Der 15. Juli 1949. Die Explosionskatastrophe in Prüm

Am 15. Juli 1949 explodierte nordwestlich von Prüm gegen 20:22 Uhr ein Munitionslager, das in einem alten Hohlgangbunker der Wehrmacht untergebracht war. Die Explosion der 500 t Munition zerstörten den größten Teil der Stadt. Obwohl die Evakuierung der Bevölkerung rechtzeitig eingeleitet werden konnte, forderte die Katastrophe zwölf Todesopfer. 965 Menschen wurden obdachlos, Krankenhaus, Schule und die Post wurden ebenso zerstört wie zahlreiche Wohnhäuser. Einer direkt nach der Explosion einsetzenden großen Hilfs- und Spendenaktion war es zu verdanken, das die Menschen in Prüm diese Katastrophe, die ihre Stadt vier Jahre nach den Bombentreffern des 2. Weltkrieges erneut in Schutt und Asche legte, bewältigen konnten.

Die alte Eifeler Kreisstadt Prüm wurde im Zweiten Weltkrieg zu 92 % zerstört. Bis 1949 konnten die Folgen des Krieges noch nicht vollständig beseitigt werden. 900 Einwohner der Stadt waren immer noch außerhalb Prüms untergebracht, weil noch nicht genügend Wohnraum geschaffen werden konnte. Die intensiven Wiederaufbaubemühungen der Bevölkerung und der städtischen Verwaltung wurden am 15. Juli 1949 völlig zunichte gemacht, als der von der französischen Besatzungsmacht als Munitionslager verwendete Bunker im nordwestlich der Stadt liegenden Kalvarienbergs explodierte.

Der Bunker war 1939 bei der Errichtung des Westwalls als Bereitschaftsbunker gebaut worden. Nach der Besetzung durch amerikanische Streitkräfte wurde er als Sanitätsbunker genutzt und diente darüber hinaus einigen obdachlosen Prümer Bürgern bis Ende 1946 als vorläufiger Wohnraum. Der Bunker lag 20 bis 30 m tief unter der Bergkuppe und bestand aus zwei 100 bzw. 60 m langen Stollen, die durch mehrere kurze Querstollen miteinander verbunden waren. Die Franzosen verwendeten dieses Stollensystem dann zur Lagerung von ca. 500 t Sprengstoff, der zur Sprengung der Westwallbefestigungen dienen sollte. Die Bevölkerung der Eifelstadt war durch die häufigen Gefahrguttransporte zum Kalvarienberg über die ungefähren Ausmaße der Munitionslagerung informiert und entsprechend besorgt. Es zeigte sich bereits einige Monate später, dass diese Besorgnis begründet war. Am 16. Juli 1949 berichtet der Bürgermeister der Stadt Prüm Kiefer an den Landrat Rüdel über den Brand in dem Munitionslager und die folgende Katastrophe:

Sofort nach der Explosion setzte eine Rettungsaktion ein, an der sich die Feuerwehren und Rote-Kreuz Bereitschaften aus der ganzen Eifel und aus Koblenz und Neuwied beteiligten. Die luxemburgische Garnison in Bitburg und die französische Besatzung schickten Sanitätsabteilungen. Ministerpräsident Altmeier und Minister Junglas trafen noch in der Nacht in Prüm ein, um die Organisation der Hilfs- und Spendenaktionen zu unterstützen. Dank der großen Anteilnahme aus allen Teilen des Landes und der überwältigenden Spendenbereitschaft konnte direkt nach der Katastrophe zum zweiten Mal innerhalb von vier Jahren mit dem Wiederaufbau der Eifelstadt begonnen werden, so dass heute nur noch wenig an die schrecklichen Ereignisse des 15. Juli 1949 erinnert.

 

 

Quellen

Literatur

  • P. Brommer (Bearb.): Quellen zur Geschichte von Rheinland-Pfalz während der französischen Besatzung, März 1945 bis August 1949, Mainz 1985 (Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Bd. 6)
  • H. Bonus: Erinnerungen an die Explosionskatastrophe in Prüm vor 40 Jahren, in; Heimatkalender Landkreis Bitburg-Prüm 1989, hg. von der Kreisverwaltung Bitburg-Prüm, S. 54 - 56, Trier 1988  
  • Die Deutschlandpolitik Frankreichs und die Französische Zone 1945 - 1949, hg. v. C. Scharf und H.-J. Schröder. Veröffentlichungen des Instituts für Europäische Geschichte Mainz, Abteilung Universalgeschichte, Beiheft 14, Wiesbaden 1983  
  • E. Urbanus: Wie ich die Explosionskatastrophe erlebte, in; Der Prümer Landbote. Zeitschrift des Geschichtsvereins "Prümer Land". Das Prümer Land in Geschichte und Gegenwart, 24/89, S. 160, Prüm 1989  
  • W. Regnery: 15. Juli 1949, in; Jahrbuch 1969 des Kreises Prüm. 10. Jahrgang, hg. von der Kreisverwaltung Prüm, S. 83 - 85, Prüm 1968.