Der 15. Juni 1954. Der Tag der deutschen Einheit im Mainzer Landtag

Aus Anlass des ersten "Tages der deutschen Einheit" wurde am 15. Juni 1954 unter Beteiligung zahlreicher namhafter Persönlichkeiten im rheinland-pfälzischen Landtag ein Festakt durchgeführt. In den Mittelpunkt der Veranstaltung wurde eine schwarz-rot-goldene Fahne gestellt, die während des Hambacher Festes 1832 getragen worden sein soll. Dieses Symbol für Einheit und Freiheit war ein Geschenk der Landesregierung an den Landtag und wird bis heute im Plenarsaal des Landtages aufbewahrt.  

Ein Jahr nach dem Volksaufstand in Ostberlin und in der DDR am 17. Juni 1953 an dem sich landesweit mehr als eine halbe Million Menschen beteiligt hatte, wurde in der Bundesrepublik Deutschland der erste "Staatsfeiertag" zum Tag der Deutschen Einheit gefeiert. Durch Bundesgesetz vom 4. September 1953 war der 17. Juni zum gesetzlichen Feiertag erklärt worden. Mit Schreiben vom 23. April 1954 informierte das Bundesministerium des Innern die rheinland-pfälzische Landesregierung, dass die Bundesregierung aus Anlass des Tages der deutschen Einheit einen Festakt durchführen wolle. Gleichzeitig regte der Innenminister an, auch in den Bundesländern entsprechende Feiern durchzuführen. "Im Hinblick auf die Gesamtdeutsche Bedeutung, die dem Tag der deutschen Einheit zukommt, bitte ich die Herren Ministerpräsidenten, in den Ländern entsprechende Feiern zu veranstalten."

In Rheinland-Pfalz war bereits am 14. Juni in Bad Neuenahr in Anwesenheit zahlreicher führender Persönlichkeiten aller Bereiche der Gesellschaft eine "Volksbewegung für die Wiedervereinigung Deutschlands" gegründet worden, auf die sich Jakob Kaiser in seiner Rede bei der Gedenkfeier in Berlin bezog. Die Gesellschaft machte es sich zur Aufgabe, der Teilung Deutschlands entgegenzuwirken. Die zentrale Veranstaltung zum Tag der deutschen Einheit fand in Rheinland-Pfalz allerdings am 15. Juni im Landtag statt. Aus diesem Anlass überreichte die Landesregierung dem Landtag eine schwarz-rot-goldene Fahne, die während des Hambacher Festes getragen worden sein soll. Eine weitere ebensolche Fahne war auf Anregung der Landesregierung am 5. Juni im Palais Schaumburg in Bonn Bundeskanzler Konrad Adenauer übergeben worden. Die Delegation, die die wertvolle Fahne überreichte, wurde von Innen- und Sozialminister Dr. Alois Zimmer, dem Notar Dr. Breit und dem Bürgermeister der Stadt Hambach, Herrn Orth, angeführt. Dieses Geschenk an die Bundesregierung wurde einige Zeit im Bundestag aufbewahrt, bis sie schließlich wieder nach Neustadt zurückgelangte. Beide Fahnen, sowohl das Geschenk an den Landtag, als auch das Geschenk an die Bundesregierung, stammten wahrscheinlich aus den Beständen des Stadtmuseum in Neustadt. Ob sie tatsächlich bei dem Hambacher Fest 1832 getragen worden waren bzw. woher sie ursprünglich stammten und wie sie in das Museum gelangt sind, ist weitgehend unbekannt.

Bei der Feierstunde am 15. Juni 1954 an der auch "maßgebende Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, Vertreter weltlicher und geistlicher Behörden, u. a. auch der französische Landeskommissar" teilnahmen, stellte Ministerpräsident Altmeier die Fahne in den Mittelpunkt seiner Festansprache. Er erklärte, "die Fahne solle in Zukunft allen Mitgliedern des rheinland-pfälzischen Landtages in Erinnerung rufen, daß uns bei all der parlamentarischen Arbeit als erstes aufgetragen ist, die Einheit und Freiheit Deutschlands in freier Selbstbestimmung zu vollenden." Weiter führte der Ministerpräsident aus: " Ich möchte einen tiefen inneren Zusammenhang und Zusammenhalt darin sehen, daß es der gleiche Geist der deutschen Freiheit und Einheit war, der die Teilnehmer des Hambacher Festes im Jahre 1832 hier in unserem Land erfüllte."  

Quellen

Literatur

  • J. Kermann (Bearb.): Das Hambacher Fest. Texte zur Landesgeschichte, 10. Zusammengestellt anläßlich der 150 jährigen Wiederkehr des Hambacher Festes, Landesarchiv Speyer, 1981  
  • J. Kermann: Weiß-Blau gegen Schwarz-Rot-Gold - die juristische Auseinandersetzung um die deutschen Farben zur Zeit des Hambacher Festes in der Pfalz, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte. Festschrift für Franz-Josef Heyen zum 65. Geburtstag, hg. v. H.-G. Borck und H.-W. Herrmann, Koblenz 1993, S. 473 - 491    
  • Landtag Rheinland-Pfalz (Hg.): Die erste Adresse des LandesRheinland-Pfalz. Geschichte des Deutschhauses in Mainz, Mainz 1990
  • D. M. Peckhaus u. Robert Hess: 40 Jahre Landtag Rheinland-Pfalz. Parteien, Wahlen, Parlament. Ein politisches Lese- und Bilderbuch zur Ausstellung, hg. v. Landtag Rheinland-Pfalz und Landeszentrale für politische Bildung Rheinland-Pfalz, Mainz 1987
  • 1831 - 1982. Hambacher Fest. Freiheit und Einheit Deutschland und Europa. Eine Ausstellung des Landes Rheinland-Pfalz zum 150jährigen Jubiläum des Hambacher Festes, Hg. Kultusministerium des Landes Rheinland-Pfalz, Neustadt 1982