Der 14. Juli 1801. Johannes Müller in Koblenz geboren

Am 14. Juli 1801 wurde Johannes Müller in Koblenz geboren. Der Sohn eines Schuhmachers zeigte bereits als Schüler große Begabungen, die sich während seines Medizinstudiums an der Universität Bonn bestätigten. Durch seine Forschungen wurde Müller in der gesamten Fachwelt bekannt und anerkannt. Im Jahre 1833 erhielt er eine renommierte Professur an der Universität Berlin, wo bis zu seinem Tod im Jahre 1858 der Schwerpunkt seiner Forschungs- und Lehrtätigkeit lag.

"Kann ein Mund den Mann würdig preisen, der das ganze Gebiet des Wissens vom tierischen Leben beherrscht hat? Vermag eine Zunge den Geist zu schildern, der dieses große Gebiet erweiterte, bis es seiner eigenen Herrschaft zu groß ward? Ist es möglich, in wenigen Augenblicken die Geschichte eines Eroberers zu zeichnen, der in ruhelosen Feldzügen durch mehr als ein Menschenalter jede neue Eroberung nur dazu benutzte, um seinen Fuß darauf zu setzen und kühnen Blickes nach neuem Ruhme auszuschauen? Kann ein später Epigone in kurzen Stunden der Muße jenen Überblick über den Entwicklungsgang eines Mannes gewinnen, der die Ziele seines Strebens, die Anreize seines Forschens tief in sich verschloß?" Mit diesen Worten leitete Rudolf Virchow seine Totenrede auf Johannes Müller ein, die er drei Monate nach dem Tod des Forschers im Jahre 1858 in der Aula der Universität Berlin gehalten hatte.

Johannes Müller wurde am 14. Juli 1801 im französisch besetzten Koblenz als erstes Kind des Schuhmachers Matthias Müller und seiner Frau Theresia geboren. Die Familie seines Vaters stammte ursprünglich von der Mosel, wo sie als Bauern und Winzer lebten. Der begabte Junge verdankte es seiner Mutter, dass er nach dem Abschluss der Elementarschule, die höhere Schule besuchen durfte. Der junge Mann durchlief die Schule mit großem Erfolg, so dass er nach Ableistung seiner Militärzeit bei der 8. Rheinischen Pionierabteilung in Koblenz im September 1819 die Reifeprüfung bestand. Anschließend ging er an die junge Bonner Universität, allerdings ohne sich über für ein Studienfach entschieden zu haben. Seine Mutter hatte die Hoffnung, dass ihr ältester Sohn Theologie studieren würde. Aber die Entscheidung war eine andere. "In der frisch gemieteten Studentenbude in Poppelsdorf igelte er sich mehrere Tage ein; dann fiel die Entscheidung: nicht Jura, nicht Theologie, sondern Medizin."

Seine Erfolge, die Müller eine immer größere Anerkennung in der Fachwelt einbrachten, führten im Sommer 1830 schließlich zur Ernennung zum ordentlichen Professor. Einen Ruf an die Freiburger Universität lehnte er ab, weil er sich Hoffnungen auf eine Professur in Berlin machte, die er im Frühjahr 1833 auch erhielt. Hier setzte er in den nächsten Jahren seine erfolgreiche Arbeit mit einer bemerkenswerten Produktivität fort. Neben seiner wissenschaftlichen Tätigkeit übernahm Müller aber auch immer wieder Ämter der akademischen Selbstverwaltung der Universität. So trat er im Wintersemester 1847/48 sein zweites Rektorat an, das in den Höhepunkt der Revolutionsunruhen fiel. Müller meisterte auch diese schwierige und zeitweise nicht ungefährliche Aufgabe. Diese Anstrengungen hinterließen ihre Spuren. Johannes Müller aber war am Ende seines Rektorats ein gebrochener Mann, von tiefen Depressionen befallen. Sein Gesuch auf Beurlaubung auf unbestimmte Dauer wurde positiv beschieden.

Einige Reisen brachten seine Arbeitskraft zurück, so dass er Ende März 1849 den Lehr- und Forschungsbetrieb in Berlin wieder aufnehmen konnte. Bis zu seinem Tod ging er seinen umfassenden Tätigkeiten trotz gesundheitlicher Belastungen mit einem ungebrochenen Arbeitseinsatz nach. Am 28. April 1858, kurz vor Beginn des Sommersemesters, fand ihn seine Frau tot im Bett. Johannes Müllers Wirkung war mit seinem Tode nicht zu Ende. Seine Forderung, unermüdlich zu sein im Beobachten und Erfahren, klang den Männern, die seine Schüler gewesen waren, ihr Leben lang in den Ohren. Er war einer der großen Beweger des 19. Jahrhunderts, auch dann noch, als Darwins Lehre Biologie und Medizin beherrschte und Begriffe wie Lebenskraft und Urphänomen aus den Köpfen der Ärzte ausgetrieben waren."

Quellen

Literatur

  • W. Haberling: Johannes Müller. Das Leben des rheinischen Naturforschers, Leipzig 1924.    
  • G. Keller: Das Leben des Biologen Johannes Müller 1801 - 1858, Stuttgart 1958
  • U. Nonn: Aus der Jesuitengasse in die Berliner Akademie. Johannes Müller. Ein berühmter Sohn der Stadt Koblenz, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur, 11/12, Koblenz 2001/2002, S. 7 - 16
  • J. Steudel: Johannes Müller 1801 - 1858, in: 150 Jahre Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn 1818-1968. Bonner Gelehrte - Beiträge zur Geschichte der Wissenschaften in Bonn, Bonn 1992, S. 49 - 60.
  • J. Steudel: Johannes Müller (1801 - 1858)., in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 1, Düsseldorf 1961, S. 152 - 167