Der 11. März 1952. Sprengung der Stadthalle in Koblenz

Am 11. März 1952 wurden die Ruinen der Koblenzer Stadthalle gesprengt. Das Gebäude mit seinen großzügigen Räumlichkeiten war seit dem 14. Oktober 1901 der kulturelle und gesellschaftliche Mittelpunkt der Stadt. Wie viele andere öffentliche und historisch wertvolle Bauten fiel auch die Stadthalle den Bombenangriffen während des Zweiten Weltkriegs zum Opfer. Die Sprengung der Ruinen und die anschließende Enttrümmerung des Geländes waren der erste Schritt auf dem langen Weg zu einer neuen und modernen Stadthalle, der am 29. Dezember 1962 mit der Eröffnung der "Rhein-Mosel-Halle" erfolgreich bewältigt wurde.  

Wie viele andere Städte des heutigen Bundeslandes Rheinland-Pfalz war auch Koblenz am Ende des Zweiten Weltkrieges zu großen Teilen zerstört. Insgesamt waren etwa 170.000 Menschen der auf dem Gebiet des Landes 1939 wohnenden Bevölkerung durch den Krieg ums Leben gekommen. Von 450.800 Wohnhäusern waren bei Kriegsende fast 30 % beschädigt bzw. vollständig zerstört. In Rheinland-Pfalz, das damit erheblich über dem Durchschnitt der Bundesrepublik mit 22,1 % lag, waren es vor allem die Regierungsbezirke Trier und Koblenz, die sich mit den größten Verlusten und Schäden auseinanderzusetzen hatten. In der Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel selbst fanden nach offiziellen Angaben 1.016 Zivilpersonen den Tod, von 23.700 Wohnungen waren nur noch 1.500 unbeschädigt. Zahlreiche öffentliche und historisch wertvolle Gebäude waren den alliierten Luftangriffen seit 1944 zum Opfer gefallen. Aber nicht nur die Bomben, auch der 19 Tage lange Bodenkampf, der in der Stadt wütete, hatte zu diesem Ausmaß der Zerstörung beigetragen.

Bei der Eröffnungsfeier in der fertiggestellten Festhalle am 14. Oktober 1901 rechnete natürlich niemand damit, dass diese großzügigen Räumlichkeiten nicht einmal fünfzig Jahre als gesellschaftlicher und kultureller Mittelpunkt der Stadt zur Verfügung stehen würden und die Bleikassette der Grundsteinlegung nach relativ kurzer Zeit wieder ans Tageslicht befördert werden würde. Der Bombenangriff vom 6. November 1944 bedeutete für die "alte" Stadthalle ein frühzeitiges Ende.

Erst am 2. Oktober 1959 konnte die "Herzensangelegenheit aller Koblenzer" mit dem ersten Spatenstich in Angriff genommen werden und nahm mit der feierlichen Grundsteinlegung am 5. Oktober 1960 konkrete Formen an. Verkehrsdezernent Trieb fasste die Bemühungen aller Beteiligten für die Umsetzungen der Planungen in seiner Rede zusammen. "Für die meisten von Ihnen steht hier ein Torso, aus dem einmal etwas werden soll. Für uns, die wir uns seit Jahren mit diesem Bauwerk beschäftigen, bedeutet dieser Betonblock unendlich viel mehr. Hier entsteht etwas, was lange Jahre Wunsch war, dann Planung wurde und heute in die Wirklichkeit umgesetzt wird, was wir Jahre als Wunschbild vor Augen hatten, ein Bild, mit dem wir uns so intensiv beschäftigt haben, daß es mir heute möglich wäre, Sie im Geiste von dieser Eingangshalle aus durch sämtliche Räume zu führen."

Quellen

Literatur

  • H. Bellinghausen (Hg.): 2000 Jahre Koblenz. Geschichte der Stadt an Rhein und Mosel, Boppard 1971    
  • Koblenz. Rhein-Mosel-Halle, hg. vom städtischen Verkehrsamt Koblenz, Koblenz 1962
  • Koblenz. Rhein-Mosel-Halle, hg. vom städtischen Verkehrsamt Koblenz, Koblenz 1964
  • U. Lissem: Bauten des 19. Jahrhunderts, in: Geschichte der Stadt Koblenz, Bd. 2. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, Stuttgart 1993, S. 409 - 450
  • P. Lammert: Städtebau von 1917 bis zur Gegenwart, in: Geschichte der Stadt Koblenz, Bd. 2. Von der französischen Stadt bis zur Gegenwart, Stuttgart 1993, S. 451 - 478