Der 9. Dezember 1954. Grundsteinlegung für ein neues Archivgebäude

Am 9. Dezember 1954 konnte die feierliche Grundsteinlegung für ein neues Gebäude des Staatsarchivs Koblenz gefeiert werden. Seit 1941 waren die Bestände des Archivs als Schutzmaßnahme vor Luftangriffen in die Festung Ehrenbreitstein ausgelagert worden. Diese Übergangslösung wurde aufgrund der Zerstörung des Deutschordenshauses, wo das Archiv seit 1897 untergebracht war, zu einem Dauerzustand. Die Probleme der Nachkriegszeit schlossen lange Zeit einen Neubau bzw. eine Sanierung der Festungsräumlichkeiten aus, bis Anfang der 50er Jahre ein geeignetes Grundstück in der Karmeliterstraße gefunden wurde und mit dem Bau eines modernen Archivs begonnen werden konnte.

Unmittelbar nach der Besitznahme des Rheinlandes durch Preußen in den Jahren 1815/16 begannen die Bemühungen, die Behördenakten der früheren Verwaltungen dieses Gebietes zu vereinigen, um die notwendige Grundlage für die eigene Verwaltung zu sichern. Es entstanden mehrere Regierungsarchive an den Verwaltungssitzen der ehemaligen französischen Departements in Trier, Koblenz, Aachen und Düsseldorf sowie in Köln und Kleve. Nach ersten Auflösungen und Zusammenlegungen dieser Einrichtungen wurde schließlich mit Erlass des Oberpräsidenten vom 29. Februar 1832 die Neukonstituierung der Provinzialarchive in Düsseldorf und Koblenz festgelegt. Sie bildet die Grundlage der bis heute gültigen Organisation und ist damit als Geburtsstunde des heutigen Landeshauptarchivs anzusehen.

Ursprünglich war das Koblenzer Regierungs- bzw. Provinzialarchiv in dem Südflügel des 1725 unter dem Trierer Kurfürsten Franz Ludwig errichteten Regierungsgebäude untergebracht. Platzmangel, Feuchtigkeit und Ungezieferbefall ließen allerdings bereits seit den 50er Jahren Neubau- und Umbaudiskussionen aufkommen. Erst im Juni 1897 konnte das umgebaute Deutschordenshaus bezogen werden, das nach langjährigen Überlegungen als Alternative gewählt worden war. Die Einmaligkeit dieser Umgebung und die Schönheit der Räumlichkeiten täuschte aber auch hier über die vorhandenen Schwierigkeiten und Mängel nicht hinweg. Es zeigte sich sehr schnell die Problematik der Lage im Überschwemmungsgebiet von Rhein und Mosel, die für die wertvollen Archivalien jedes Jahr eine neue Gefahr bedeutete. Nach erneuten langen Diskussionen wurden im Mai 1938 Neubauplanungen endlich konkret, die aber durch den Ausbruch des Zweiten Weltkrieges wieder eingestellt werden mussten. Lediglich eine Auslagerung des überwiegenden Teils der Archivalien als Schutzmaßnahme vor Luftangriffen wurde seit 1941 vorgenommen. Die Festung Ehrenbreitstein, die als kriegsbedingte Notunterkunft für die Bestände des Staatsarchivs bezogen wurde, entwickelte sich nach dem Ende des Krieges zum Dauerzustand. Das Deutschordenshaus war 1944 durch eine Bombe weitgehend zerstört worden und ein Wiederaufbau bzw. ein Neubau kam wegen der wirtschaftlichen Notlage und der akuten Wohnraumnot in der Nachkriegszeit vorerst nicht in Frage.

Nachdem der Plan, das Archiv nach Mainz zu verlegen, schließlich verworfen worden war, konnte am 3. August 1954 der erste Spatenstich auf einem Grundstück in der Karmeliterstraße gefeiert werden. Die feierliche Grundsteinlegung erfolgte am 9. Dezember 1954 in Anwesenheit Dr. Haberers. Im Frühjahr 1956 konnte auch der Innenausbau des modernen Zweckbaus weitgehend abgeschlossen werden. Das sechsgeschossige Magazingebäude mit seiner freitragenden Stahlkonstruktion, das durch einen Zwischenbau mit dem dreistöckigen Verwaltungsgebäude verbunden ist, gehörte zu den modernsten Zweckbauten seiner Zeit. Im In- und Ausland fanden die Architektur und die technischen Daten des Neubaus Anerkennung und Nachahmung.

Quellen

Literatur

  • P. Brommer: Das private Archivwesen in Rheinland-Pfalz im Rahmen der nichtstaatlichen Archivpflege der Landesarchive, in: Drittes Deutsch- Niederländisches-Belgisches Archivsymposium, 1993, S. 97 - 99    
  • A. Schmidt: Der Neubau des Staatsarchivs Koblenz, Koblenz 1956
  • P. Weiß: Die Bergung von Kulturgütern auf der Festung Ehrenbreitstein, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, Bd. 26, 2000