Der 9. August 1833. Maximilian Prinz zu Wied in Nordamerika

Der 9. August 1833 markiert den Endpunkt der Nordamerikareise des Prinzen Maximilian zu Wied, die ihn zu einem der größten Naturforschern in der Nachfolge Alexander von Humboldts gemacht hat. Während er auf dem amerikanischen Kontinent vor allem als Ethnograph bekannt ist, der mit seiner Beschreibung der Indianer eines der bedeutensten Werke der Völkerkunde geschaffen hat, geriet er in seiner rheinischen Heimat zeitweilig fast völlig in Vergessenheit. Erst Anfang der neunziger Jahre erhielt sein umfangreiches und sehr bedeutendes Werk auch in Deutschland die gebührende Anerkennung.  

Obwohl Maximilian Prinz zu Wied zu den großen deutschen Forschungsreisenden in der Nachfolge Alexander von Humboldts gehört, geriet er und seine wissenschaftliche Arbeit nach seinem Tod auch in seiner rheinischen Heimat zeitweilig fast völlig in Vergessenheit. Der spätere Forschungsreisende und Naturforscher Maximilian Alexander Philipp Graf zu Wied-Neuwied wurde am 23. September 1782 als achtes von zehn Kindern im Schloss zu Neuwied geboren. Seine Eltern waren Friedrich Carl Graf zu Wied-Neuwied und Louise geborene Gräfin zu Sayn-Wittgenstein-Berleburg. Nachdem die Familie 1784 in den Fürstenstand erhoben wurde, erfolgte die Änderung des Namens in Prinz zu Wied. Über die Kindheit und Jugend des nachgeborenen Prinzen, die im Schatten der Französischen Revolution verlief - Neuwied gab dem flüchtenden französischen Adel großzügig Asyl - ist relativ wenig bekannt. Der junge Prinz wird als "etwas trockener Intellekt mit außerordentlicher Willenskraft" beschrieben, der sich systematisch den verfügbaren Lernstoff aneignete.

Sehr früh erwachte das Interesse des Prinzen an geographischen, natur- und völkerkundlichen Studien. Als Ergebnis seiner Forschungsreisen ist Maximilian Prinz zu Wied heute vor allem als Ethnograph bekannt, der das Bild der amerikanischen Indianer in Europa entscheidend mitprägte. Dabei wird häufig übersehen, "daß dem Prinzen die wohl ersten systematischen Aufzeichnungen zur Faunistik des Mittelrheins und des Westerwaldes zu verdanken sind." Im Jahre 1804 lernte Maximilian Alexander von Humboldt kennen, der für ihn eine wichtige Vorbildfunktion einnahm und der es wahrscheinlich auch war, der das Interesse des jungen Adligen auf Brasilien lenkte. Wahrend seiner Reisen in die Schweiz, nach Oberitalien und Savoyen, die er im Jahre 1808 unternahm, knüpfte Maximilian zahlreiche Kontakte und machte Erfahrungen, die für seine spätere wissenschaftliche Tätigkeit unentbehrlich waren. Entsprechend seinem Stand und wahrscheinlich auch aufgrund der politischen Lage hatte Maximilian die Militärlaufbahn eingeschlagen, die von dem Verlauf der Napoleonischen Kriege bestimmt wurde. Nachdem er 1806 für wenige Tage in Gefangenschaft geraten war, hatte er anschließend Zeit, seine ersten Reisen zu unternehmen und sich seinen naturkundlichen Studien zu widmen, die bereits zu diesem Zeitpunkt die Aufmerksamkeit der Fachwelt weckten. Im Jahre 1813 trat er erneut in den preußischen Dienst. Hoch dekoriert bat Maximilian nach der Niederlage Napoleons im Januar 1815 um seine Beurlaubung. Im Jahre 1817 schied er endgültig aus der Armee aus.

Als Ziel seiner ersten, seit langem angestrebten Überseereise wählte Prinz zu Wied schließlich Brasilien. Durch intensive Studien gut vorbereitet und in Begleitung zweier Bediensteter des Neuwieder Hofes trat der Prinz die Reise Anfang Mai 1815 an. Überwältigt von den vielfältigen Eindrücken und Erkenntnissen seiner Reise, während der er wieder zahlreiche Kontakte knüpfen konnte und sehr viel Unterstützung erhielt, traf Maximilian Anfang August 1817 wieder in Neuwied ein. Er begann sofort mit der Auswertung seiner Unterlagen, Skizzen und Sammlungen. Nach der Auswertung und Veröffentlichung der Reiseergebnisse blieben weitere Reisepläne nach 1820 vorerst sehr unkonkret. In den Jahren 1824 und 1825 unternahm Maximilian zu Wied zwei kürzere Reisen nach Norderney und London, bevor er sich als Ziel für die nächste Überseereise im Frühjahr 1830 schließlich endgültig für Nordamerika entschied.

Sofort nach seiner Rückkehr begann Maximilian mit der Sichtung und Auswertung des umfangreichen gesammelten Materials. Als eindrucksvolles Ergebnis dieser Reise erschien seit 1837 die zweibändige "Reise in das Innere Nord-Americas in den Jahren 1832-34" und ein "Bildatlas zum Reisewerk" mit den Bildern und Zeichnungen Karl Bodmers. Die Qualität und die Resonanz auf die Indianerbilder von Carl Bodmer haben die vielfältigen anderen Facetten des bedeutenden Werkes des Prinzen zu Wied im öffentlichen Bewusstsein bis heute überdeckt. Aber durch diese Bilder und die detaillierten Beschreibungen Wieds, die sich durch eine "bewundernswerte Unvoreingenommenheit fremden Völkern gegenüber" auszeichnen, wurde "eines der bedeutendsten Werke der Völkerkunde geschaffen, in dem zum Teil eine der letzten authentischen Schilderung seither dezimierter oder zivilisierter Völker geboten werden." Außer einigen kleineren Reisen verbrachte Prinz zu Wied den Rest seines Lebens weitgehend in Neuwied. Er widmete sich weiterhin seinen intensiven wissenschaftlichen Studien und pflegte den regen Austausch mit der Fachwelt. Trotz seines umfangreichen und bedeutenden Werkes, geriet Maximilian Prinz zu Wied, der am 3. Februar 1867 an einer Lungenentzündung starb, in seiner Heimat fast völlig in Vergessenheit. Während er und Carl Bodmer in Amerika "den Rang historischer Gestalten im Rahmen der Geschichte des Wilden Westens" genießen, kam es in Deutschland erst aus Anlass des 125. Todestag Anfang der neunziger Jahre zu einem Wiedererwachen des Interesses und zu einer angemessenen Würdigung des rheinischen Naturforschers.

Quellen

  • LHAKo Bestand 708, Nr. 60 (LB) Lebensbeschreibungen von Wied    
  • LHAKo Bestand 708, Nr. 311,501 Stadt Koblenz. Mittelrheinmuseum
  • Sta Neuwied Maximilian Prinz zu Wied: Reise in das Innere Nord-America in den Jahren 1832 bis 1834, 2. Bde, Coblenz 1841
  • Sta Neuwied Maximilian Prinz zu Wied: Reise in das innere Nordamerika. Vignettenband. Sonderausgabe der Rhenania Buchhandlung, Koblenz o. J.

Literatur

  • W. Hansen: Die Reise des Prinzen Wied zu den Indianern. Nach Originalberichten des Prinzen Maximilian zu Wied, München, Zürich 1977    
  • R. Löchner u. H. J. Roth: Ein deutscher Prinz als Indianerforscher, Damals 25, 1993, S. 34 - 40
  • Maximilian Prinz zu Wied, Landau 1995. Fauna und Flora in Rheinland-Pfalz, Beiheft 17
  • H. J. Roth: Prinz Maximilian zu Wied, ein rheinischer Naturforscher des 19. Jahrhunderts. Rückbesinnung auf sein Leben und Werk, Biolog. Zentralbl. 112, 1993, S. 203 - 233
  • H. J. Roth: Maximilian Prinz zu Wied (1782 - 1867), in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 14. Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde, Köln 1994, S. 135 - 152