Der 9. Februar 1503. Todestag des Trierer Kurfürsten und Erzbischofs Johann II. von Baden

Am 9. Februar 1503 starb nach fast 47-jähriger Regierungszeit Kurfürst Johann II. in Ehrenbreitstein. Der Trierer Erzbischof, der im Jahre 1456 mit der Unterstützung Kaiser Friedrichs III. im Alter von 22 Jahren sein Amt antrat, sah seinen Tätigkeitsschwerpunkt vor allem in der Konsolidierung der inneren Macht- und Herrschaftsstrukturen des Kurstaates. Johann II. war abgesehen von einigen Ausnahmen ein auf Frieden und Ausgleich zielender Fürst, dem es gelang, wie z. B. bei der Klösterreform, Modernisierungs- und Reformansätze in der Verwaltung des Erzstifts zu verankern.  

Der spätere Erzbischof und Kurfürst von Trier, Johann von Baden, wurde am 14. Juni 1434 als dritter Sohn des Markgrafen Jakob und der Herzogin Katharina von Lothringen geboren. Johann und seine beiden jüngeren Brüder, Georg und Markus waren für eine geistliche Laufbahn vorgesehen und erhielten gemeinsam im Jahre 1445 die erste Tonsur. Neben der geistlichen Karriere, die sehr erfolgreich und "in für die Zeit durchaus typischen Bahnen" verlief, absolvierte Johann ebenfalls eine akademische Ausbildung. Mit seinen jüngeren Brüdern besuchte er in den Jahren zwischen 1452 und 1455 die Universitäten Erfurt, Pavia und Köln, wo er den Titel eines Magisters erlangte. Seine gradlinige geistliche Laufbahn und seine fundierte akademische Ausbildung sowie die guten Beziehungen des Hauses Baden zu Habsburg und damit zum Kaiser empfahlen Johann im Jahr 1456 schließlich als Kandidat für die anstehende Wahl zum Trierer Erzbischof.

Der bisherige Erzbischof Jakob von Sierck war am 28. Mai 1456 gestorben und hinterließ ein Erzbistum, das sich aufgrund seiner "zwiespältigen Wahl" und der daraus resultierenden jahrelangen kriegerischen Auseinandersetzungen in einem finanziell und politisch geschwächten Zustand befand. Als Kandidaten traten neben Johann von Baden u. a. auch der spätere Mainzer Erzbischof, Dieter von Isenburg-Büdingen auf. Erst nach mehreren Wahlgängen konnten sich die Domherren am 21. Juni auf Johann von Baden einigen, "der daraufhin feierlich zum Hauptaltar des Doms geführt wurde". Der junge Erzbischof, er war bei seiner Wahl 22 Jahre alt, konnte sich der Unterstützung des Kaisers Friedrich III. und der Billigung Frankreichs sicher sein. Um Auseinandersetzungen, wie bei der Wahl Jakobs von Sierck zu vermeiden, wurde die päpstliche Bestätigung für die Wahl und Amtseinsetzung Johanns eingeholt. Nach langen Verhandlungen, die mit hohen Kosten verbunden waren, erklärte sich Papst Kalixt III. am 25. Oktober 1456 bereit, Johann "die Regierung und Verwaltung der Trierer Kirche in geistlichen und weltlichen Angelegenheiten" zu übertragen. Darüber hinaus bestätigte er ihn im voraus als Erzbischof. Johann wurde allerdings aufgefordert, vor seinem 27. Lebensjahr die notwendige Weihe entgegenzunehmen. Ohne Angabe von Gründen wurden diese Bestimmung im Jahre 1461 von Papst Pius II. aufgehoben, der Johann gestattete, die Weihe erst im Alter von 30 Jahren vorzunehmen. Es wird vermutet, dass dynastische Gründe hinter dieser Entscheidung standen. Eine eventuell notwendige Erbfolgesicherung im Hause Baden wäre für Johann nur ohne Weihe möglich gewesen.

Eine der Ausnahmen war die Mainzer Stiftsfehde, die im Jahre 1459 aufgrund der Wahl Dieters von Isenburg-Büdingen zum Mainzer Erzbischof entstand. 1561 wurde der Gegenkandidat Friedrichs III. eingesetzt. Adolf von Nassau- Wiesbaden-Idstein ging nicht zuletzt aufgrund der aktiven Unterstützung durch Johann II. erfolgreich aus diesem Streit hervor, was zu einer deutlichen Verbesserung der Beziehungen zwischen Trier und Mainz führte. Ein weiteres reichspolitisches Ereignis, das in die Regierungszeit Johanns II. fiel, war die Zusammenkunft Karls des Kühnen mit Kaiser Friedrich III. im Jahr 1473 in Trier. Die Gespräche, die eine Heirat zwischen Maximilian, dem Sohn Kaiser Friedrichs III. und Maria, der Tochter Karls des Kühnen, herbeiführen sollten, scheiterten. An den folgenden kriegerischen Zusammenstößen zwischen Herzog Karl und dem Erzstift Köln nahm Johann persönlich teil. Im Jahre 1477 konnte er gemeinsam mit seinem Bruder Georg eine Einigung und die Heirat zwischen Maximilian und Maria erreichen.

Eng verbunden mit dem Namen Johanns II. sind auch die Klosterreformen, die bereits unter seinem Vorgänger angestoßen worden waren. Eine Synode befasste sich 1495 intensiv mit diesem Problem. Hier wurde versucht, "die vielfach verwilderte und vom Unkraut überwucherte Sittlichkeit des Klerus wie einen mit Dornengestrüpp bewachsenen Acker gründlich zu reinigen". Mit seinem Eingriff in die innere Verfassung der Klöster und Stifte, bei dem er auch nicht vor Gewaltanwendungen zurückschreckte, gelang es ihm, seinen Herrschaftsanspruch im geistlichen Bereich seiner Zuständigkeiten durchzusetzen. Als ein weiterer Erfolg ist die Gründung der Universität Trier zu nennen, die am 16. März 1473 eröffnet werden und aufgrund seiner Unterstützung mit finanzieller Absicherung die Arbeit aufnehmen konnte. Trotz der schwierigen finanziellen Situation des Erzstifts entwickelte Johann im Laufe seiner langen Regierungszeit eine sehr rege Bautätigkeit. Den "Gesta Trevirorum" ist zu entnehmen, dass fast alle Burgen und Schlösser des Erzstifts wiederhergestellt und einige völlig neu errichtet wurden.

Die enge Verbundenheit Johanns mit seiner Familie hatte bis zum Ende seiner Regierungszeit Bestand. Im Jahre 1499 ernannte er seinen Großneffen Jakob von Baden mit dem Hinweis auf sein Alter und seinen gesundheitlichen Zustand zum Koadjutor, zu seinem Amtsgehilfen mit dem Recht der Nachfolge, und erhielt dafür nicht nur die Zustimmung der Mehrheit des Domkapitels, sondern auch die Unterstützung von Kaiser und Papst. Am 21. Januar 1503 übergab Johann die Herrschaft an Jakob von Baden und starb schließlich am 9. Februar 1503 in Ehrenbreitstein. Während seiner fast 47-jährigen Regierungszeit hatte Johann II. von Baden sich "als eher unauffällig agierender Landesherr" gezeigt, dem es allerdings mit seiner Schwerpunktsetzung auf eine innere Konsolidierungspolitik gelang, deutliche Modernisierungsansätze zu installieren.

Quellen

  • LHAKo Bestand 1A. Urkunden der geistlichen und staatlichen Verwaltung des Erzstifts Trier 1456 - 1503    
  • LHAKo Bestand 1C. Akten der geistlichen und staatlichen Verwaltung des Erzstifts Trier 1456 - 1503
  • LHAKo Bestand 708 Nr. 60 LB. Johann II. von Baden
  • J. H. Wyttenbach u. M. F. J. Müller (Hg.): Gesta Treviorum, Bd. 2, Trier 1838
  • J. J. Scotti (Hg.): Sammlung der Gesetze und Verordnungen, welche in dem vormaligen Churfürstenthum Trier über Gegenstände der Landeshoheit, Verfassung, Verwaltung und Rechtspflege ergangen sind, Vom Jahre 1310 bis zur Reichs-Deputations-Schluß-mäßigen Auflösung des Churstaates Trier am Ende des Jahres 1802, Bd. 1, Düsseldorf 1832S

Literatur

  • A. Erler: Die Mainzer Stiftsfehde 1459 - 1463 im Spiegel mittelalterlicher Rechtsgutachten, Wiesbaden 1963    
  • D. Kerber: Herrschaftsmittelpunkte im Erzstift Trier. Hof und Residenz im späten Mittelalter, (Residenzforschung Bd. 4), Sigmaringen 1995
  • D. Kerber: Johann II. von Baden. Erzbischof und Kurfürst von Trier, in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 16, Köln 1997, S. 33 - 52
  • H. Mannheim: Das Erzstift Trier im 16. Jahrhundert, Bd. 2, o. O. 1995
  • H. Neuhaus: Die Rheinischen Kurfürsten, der rheinische Kreis und das Reich im 16. Jahrhundert, in: Rheinische Vierteljahrsblätter 48, 1984, S. 138 - 160
  • F. Pauly: Aus der Geschichte des Bistums Trier, Bd. 2. Die Bischöfe bis zum Ende des Mittelalters, Trier 1969