Der 7. März 1951. Trierer Geschichten

Die Berichterstattung des "Trierischen Volksfreundes" vom 7. März 1951 vermittelt ein lebhaftes Bild vom Alltag der Stadt Trier. Neben dem Schmuggel, der viele Bereiche des täglichen Lebens berührte, werden vor allem Beispiele für die Lebenssituation der Bevölkerung dieser Stadt mit ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte gegeben, die auch sechs Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer noch mit dessen verheerenden Folgen konfrontiert war. Die Mangelbewirtschaftung z. B. bei Brennstoffen oder auf dem Wohnungsmarkt gehörte trotz der bereits spürbaren Auswirkungen des "Wirtschaftswunders" ebenso zum Leben der Menschen, wie die Beispiele für den ungebrochenen Wiederaufbauwillen ohne die das heutige Bild der Stadt nicht denkbar wäre.

Über die alltäglichen Belange, Probleme und Diskussionen, die die Einwohner der heute zweitgrößten Stadt des Bundeslandes Rheinland-Pfalz bewegten, vermittelt die Ausgabe des "Trierischen Volksfreundes" vom 7. März 1951 ein lebhaftes Bild. Der Schmuggel, der in der grenznahen Stadt viele Bereiche des täglichen Lebens berührte, stand auch in dieser Ausgabe der Zeitung im Mittelpunkt. Wie viele andere Regionen waren die Trierer in den ersten Nachkriegsjahren auf Kompensationsgeschäfte und Hamsterkäufe angewiesen, um die Versorgung mit überlebensnotwendigen Gütern sicherzustellen. Eine ganz andere Dimension als diese Existenzsicherung hatten die Schmuggelgeschäfte, die Anfang der 50er Jahre nicht nur die Berichterstattung der Zeitungen, sondern auch den Alltag der zuständigen Gerichte bestimmten. "Es vergeht kaum eine Woche, in der auch das Gericht in Trier sich mit Anklagen wegen Schmuggelvergehens, amtlich als "Ein- oder Ausfuhrbannbruch" deklariert, wegen Hehlerei im Zusammenhang mit Schmuggeln und Devisenvergehen zu befassen hat."

Über einen der größten Prozesse dieser Art in den 50er Jahren berichtete der "Trierer Volksfreund" am 7. März. Insgesamt 46 Männer und Frauen standen wegen "Steuerhehlerei" und Kaffeeschmuggels vor dem Richter. Nicht selten waren es Hausfrauen oder ganze Familien von den halbwüchsigen Kindern bis zum Großvater, die sich an dem einträglichen Geschäft beteiligten. Wie sehr der Schmuggel und die Versuche, ihn einzudämmen, zum Alltag der grenznahen Stadt gehörten, zeigt auch ein Artikel über die Versteigerung von Schmuggelautos. "Der Fall ist häufig, daß bei einem Schmuggelprozeß, die zum Schmuggeln benutzten Autos oder Motorräder durch Urteil des Gerichts eingezogen und der Zollverwaltung zugesprochen werden. [...] Typische Schmuggelwagen in- und ausländischer Eigentümer mit zahlreichen Einschüssen und Narben aus dem Kaffekrieg an der Grenze, teilweise mit eingebauten Schmuggelverstecken, doppelten Böden oder Wänden, Nagelstreukästen und "Kaffetanks" standen friedlich neben ansehnlichen und gut erhaltenen Personenwagen."

Während die Rubrik der "Stadtneuigkeiten" auf Seite 3 der Zeitung von der bestandenen Diplomkaufmannprüfung des Trierer Bürgers Walter Eichten aus der Neustraße und einem Bericht über einen zehnjährigen Jungen, den das Frühlingswetter zu einem ersten Bad in der Mosel verlockte, geprägt wird, zeigt die Titelseite, dass die Besatzungsmächte auch noch im Jahr 1951 für die Entwicklung der Stadt von Bedeutung gewesen sind. Die Angaben "einer anderen Zeitung", wonach "der Trierer Raum in den von amerikanischen Streitkräften zu besetzenden Bereich einbezogen werden soll, bestätigt sich nicht. Unserem Vernehmen nach ist damit zu rechnen, daß die französische Armee den Raum von Trier bis Koblenz stärker als bisher belegt und daß eine Reihe neuer militärischer Einrichtungen, Uebungsplätze usw. im Rahmen des europäischen Verteidigungsprogramms geschaffen wird:"

Die französischen Besatzer hatten die Amerikaner am 10. Juli 1945 im Trierer Raum abgelöst, die Anfang März 1945 die "zerbombte, zerschossene, fast menschenleere Stadt besetzt hatten. Der Zweite Weltkrieg bedeutete auch in der fast zweitausendjährigen Geschichte Triers eine einschneidende Zäsur. Die Stadt, die im Jahre 16 v. Chr. von Augustus gegründet worden war und zwischen 293 und 395 n. Chr. Hauptstadt des weströmischen Reiches und die größte Stadt nördlich der Alpen gewesen ist, versank vom 19. bis 23. Dezember 1944 im Bombenhagel der alliierten Luftangriffe. Neben den Bauten, die zu 41 % zerstört wurden, waren fast alle Verkehrswege, die Trier mit der Außenwelt verbanden, zerbombt worden. Allein die Bahnstrecke Trier-Köln war durch die Sprengung von 25 Brücken und Tunnels für Jahre unbefahrbar. Angesichts dieser Voraussetzungen war der Wiederaufbau der Stadt eine langwierige und schwierige Aufgabe. Wie der "Trierische Volksfreund" zeigt, war es für Trier auch noch im Jahre 1951 problematisch, ihre Position als "kultureller, geistlicher und Verwaltungsmittelpunkt für ein weites Umland" auszufüllen. Die Mangelbewirtschaftung gehörte wie in vielen anderen Städten trotz der ersten spürbaren Auswirkungen des "Wirtschaftswunders" zum Alltag der Stadt.

Aber trotz der schwierigen Rahmenbedingungen war der Überlebens- und Aufbauwille in dieser Stadt ungebrochen, wie das Beispiel von Herbert Weiersbach zeigt, über den der "Trierische Volksfreund" am 7. März ausführlich berichtete. Eine schwere Behinderung - er hatte als Flaksoldat in Nizza beide Beine verloren - hinderte Weiersbach nicht daran, für seine Familie ein Haus zu bauen. "Viel Lebenswille steht in den Augen und Mienen des hundertprozentig Kriegsversehrten, dem keine Arbeit am Bau zu schwer wäre, als das er sie nicht entschlossen anpackte. Trotz zinsloser Kredite und der Selbsthilfe des Doppeloberschenkelamputierten hatte die vierköpfige Familie auch nach der Fertigstellung des Hauses in finanzieller Hinsicht schwierige Zeiten zu meistern. "Ein paar Jahre wollen sie gemeinsam die Zähne zusammenbeißen, um die 100 plus 75 D-Mark Abzahlungsraten monatlich aufbringen und pünktlich abliefern zu können. Es wird schwer halten, aber Weiersbach hat schon so viele dunkle Tage gesehen, daß er auch diese spartanisch einfachen Jahre überstehen wird."

Der "Trierische Volksfreund" vom 7. März vermittelt in seinen Artikeln über den Schmuggel, die Besatzungsmächte, den Schwarzmarkt, den Wohnungsmangel und den beispielhaften Wiederaufbauwillen eines Kriegsversehrten ein lebhaftes Bild einer Stadt, deren Alltag auch im Jahre 1951 immer noch von den Folgen des Zweiten Weltkrieges geprägt war.

Quellen

Literatur

  • H. G. Borck (Hg.): Beiträge zu 50 Jahren Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 73, Koblenz 1997
  • W. Bracht (Hg.): Trier. Ein Bildband mit einer Einleitung von Stefan Andres, Trier 1972
  • K. Düwell, F. Irsigler (Hg.): 2000 Jahre Trier, Bd. 3. Trier in der Neuzeit, Trier 1988
  • A. Krisam: Trier im dritten Jahrtausend. Stadtgeschichte ernst und heiter, Trier 1999
  • H. Petzholdt: 2000 Jahre Stadtentwicklung Trier. Katalog zu Ausstellung, Trier 1984
  • K.-H. Rothenberger: Krieg - Hungerjahre - Wiederaufbau, in: Rheinland Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland- Pfalz in Koblenz, hg. v. F.-J. Heyen, Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland- Pfalz, Bd. 5, Boppard 1984