Der 7. Februar 1850. Entwarnung für den Eisgang bei Bacharach, Niederheimbach und Rheindiebach

Der strenge Winter des Jahres 1849/50 führte in Bacharach, Niederheimbach und Rheindiebach zu einer Naturkatastrophe, die viele Menschen an den Rand ihrer Existenz brachte. Ein ungewöhnlich starker Eisstau, der die Eisschollen bis weit über die Stadtmauern von Bacharach warf und ganze Häuserreihen von der Außenwelt abschnitt, wurde durch ein gleichzeitig einsetzendes Hochwasser verschlimmert, das auch in der Region Koblenz zu umfangreichen Schäden führte. Der spontanen und uneigennützigen Hilfe vieler Menschen vor Ort war es in diesen Tagen der Angst zu verdanken, dass die Opfer der Katastrophe mit dem Notwendigsten versorgt wurden und auch alle denkbare Hilfe zur Verfügung stand, als am 7. Februar endlich von einer Entwarnung gesprochen werden konnte.

"Acht Tage der Angst und vier Tage der äußersten Gefahr sind durchlebt, und endlich hat unsere Erlösungsstunde geschlagen; die Gefahr ist wenigstens beseitigt und freier athmet die Brust." So berichtet das "Coblenzer Tageblatt" am 7. Februar 1850 und gab damit das Entwarnungssignal für den schweren Eisgang bei Bacharach, Niederheimbach und Rheindiebach, der verbunden mit einem gefährlichen Hochwasser die gesamte Region fast zwei Wochen in Atem gehalten hatte.

Bis etwa in die Mitte des 20. Jahrhunderts, als wasserbauliche Maßnahmen zu einer höheren Fließgeschwindigkeit des Rheins führten, konnte man davon ausgehen, dass in regelmäßigen Abständen ein besonders strenger Winter neben Bächen und kleineren Flüssen auch den Rhein zufrieren ließ. Der Anblick des zugefrorenen Rheins übte auf viele Menschen eine gewisse Faszination aus. Schaulustige von nah und fern strömten herbei, um sich das seltene Schauspiel anzusehen und die Möglichkeit auszunutzen, den Rhein trockenen Fußes überqueren zu können. Nicht selten fanden spontane Volksfeste auf dem Eis statt und Schausteller und Kleinhändler freuten sich über ein gutes Geschäft.

Allerdings wurden die Gefahren, die von diesem Naturschauspiel ausgingen, von den Menschen, die an den Flüssen lebten und den zuständigen Behörden nicht unterschätzt. Wie die Hochwasser waren auch Treibeis und Eisstaus Gefahren, mit denen die Anwohner des Mittelrheins zu leben gelernt hatten. So hatte der strenge Winter des Jahres 1849/50 die königliche Regierung zu Koblenz bereits sehr frühzeitig dazu veranlasst, Maßnahmen gegen den Stau von Treibeis und gegen Hochwassergefahren einzuleiten. Am 2. Februar 1850 wiesen auch die Ministerien für landwirtschaftliche Angelegenheiten und für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten auf die möglichen Folgen des strengen Winters hin: "Die Gefahr eines großen Hochwassers, welche zum Frühjahr droht, und welche durch den lange anhaltenden Frost, sowie durch die vorhandenen Eisversetzungen in einigen Flüssen verstärkt wird, veranlaßt uns, die königlichen Regierungen zur besonderen Wachsamkeit aufzufordern."

Auch bei Koblenz waren seit Ende Januar Treibeis und vereinzelte Eisstaus beobachtet worden. Aber an diesem Bereich des Mittelrheins konnte für die Gefahr eines Eisgangs bereits am 30. Januar schon wieder Entwarnung gemeldet werden. Anders verhielt es sich mit dem direkt folgenden Wasseranstieg der Flüsse. In Koblenz waren Anfang Februar die tiefergelegenen Teile der Stadt vollständig überflutet. Notküchen wurden errichtet und Spenden für die geschädigten Familien gesammelt. Erst am 5. Februar konnte die "Rhein- und Moselzeitung" die erfreuliche Mitteilung machen, dass das Wasser zu fallen begonnen hatte. Für Bacharach und die umliegenden Orte konnte erst am 7. Februar von einem endgültigen Ende der Gefahr gesprochen werden. Die Beseitigung der Verwüstungen konnte endlich beginnen.

In Bacharach, Niederheimbach und Rheindiebach bleiben diese Tage der Gefahr durch den Eisgang mit seinen ungewöhnlichen Ausmaßen immer in Erinnerung. Im Zusammenhang mit dieser Katastrophe, die viele Bewohner der betroffenen Orte in Existenznöte und Armut stürzte, blieb aber auch die überwältigende Hilfsbereitschaft, die half das Schlimmste schnell zu mildern, bis heute im Gedächtnis haften. Das "Coblenzer Tageblatt berichtete am 7. Februar: "In Bacharach wurde alles aufgeboten, die Noth zu lindern, und Männer, die selbst einen Schaden von wenigstens 1.000 Thalern zu beklagen hatten, suchten die Bedrängten in den entferntesten Wohnungen und spendeten mit vollen Händen was fehlte. Wo sie mit dem Nachen nicht zukommen konnten, wurden die Gefache so lange von Haus zu Haus eingeschlagen bis die Unglücklichen erreicht waren." Auch von den umliegenden Ortschaften trafen vielfältige Spenden und helfende Hände ein, die es möglich machten, die umfangreichen Schäden des Eisgangs von 1850 schnell zu beseitigen. Abschließend bemerkt das "Coblenzer Tageblatt": "Hätten die Geber die Freudenthränen der Beschenkten gesehen, sie hätten darin gewiß beredeteren Dank gefunden, als er durch die bestgesetzte Rede ausgedrückt werden kann."

Quellen

Literatur

  • A. Glowik: Der Eisgang bei Bacharach - 1850, in: Heimatblätter zur Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler. Hg. v. Verein für die Geschichte der Stadt Bacharach und der Viertäler e.V., Nr. 1, 1993, S. 18 f.  
  • H. Franzmann: Der letzte Eisgang am Mittelrhein im Winter 1962/63, in: Rhein- Hunsrück Kalender, Nr. 49, 1993, S. 37 - 39 
  • F.-L. Wagner (Hg.): Bacharach und die Geschichte der Viertälerorte, Bacharach 1996