Der 6. Mai 1900. Die Feierlichkeiten zur Einweihung des Kaiserdenkmals in Montabaur

Am 6. Mai 1900 fand in Montabaur die feierliche Enthüllung des Kaiser-Wilhelm-Denkmals statt. Die Errichtung des Standbildes, die aus Anlass des hundertsten Geburtstages des Reichsgründers Kaiser Wilhelm I. von den Kriegervereinen angeregt worden war, wurde durch die Unterstützung zahlreicher Bürger und Vereine des Unterwesterwaldkreises ermöglicht. Allerdings sah das Denkmal bereits 18 Jahre nach seinem Einzug in die Stadt das Ende des Deutschen Reiches. Im Zweiten Weltkrieg musste es schließlich als Rohstofflieferant dienen und wurde von seinem Sockel geholt und eingeschmolzen. Jahrelang erinnerte nur noch der Sockel an die einstige Anwesenheit des Kaisers in der Stadt. Aber im Oktober 1965 wurde auch dieser endgültig beseitigt.

Der 6. Mai 1900 war ein ganz besonderer Sonntag in der Geschichte der Kreisstadt des Unterwesterwaldkreises. An einem wunderschönen Frühlingstag wurde im Rahmen eines feierlichen Festaktes ein Denkmal des Reichsgründers, Kaiser Wilhelms I., enthüllt. Die Anregung für die Aufstellung des Denkmals war von den beiden Kriegsvereinen der Stadt ausgegangen. Die Vorstände der Vereine hatten die von Kaiser Wilhelm II. angeordneten dreitägigen Feiern zum hundertsten Geburtstag des Reichsgründers, am 22. März 1897, zum Anlass genommen, die Bitte um die Verwirklichung ihrer Idee dem Landrat und dem Stadtrat vorzulegen.

Nachdem das Denkmal zum geplanten Aufstellungsdatum im November 1899 noch nicht fertig war, wurde für die feierliche Enthüllung drei Jahre nach den ersten Vorbereitungen, der Tag des 18. Geburtstages des Kronprinzen des Deutschen Reiches, Wilhelm, der 6. Mai 1900 gewählt. Dieser Tag, der in Berlin in Anwesenheit zahlreicher auswärtiger Staatsoberhäupter gefeiert wurde, erhielt damit auch in Montabaur einen ganz besonderen Rahmen.

Bereits 18 Jahre nach dem Einzug des "Heldenkaisers" in die Stadt Montabaur war die Epoche der Hohenzollernkaiser in Deutschland endgültig beendet. Am 14. November 1918 hörten die Kämpfe des Ersten Weltkrieges mit der Unterzeichnung des Waffenstillstandes auf. Am 13. Dezember rückten amerikanische Truppen in Montabaur ein. Während das Denkmal diesen Krieg und die folgende Besatzungszeit gut überstand, wurde es 1944 aufgrund der allgemeinen Rohstoffknappheit von seinem Sockel geholt, um verkauft und eingeschmolzen zu werden. Der Sockel des Denkmals wurde allerdings erst im Jahre 1965 beseitigt, wobei auch Urkunden und Münzen gefunden wurden, die bei den Enthüllungsfeierlichkeiten hier eingemauert worden waren. Die Westerwälder Zeitung vom 26. Oktober 1965 schrieb: "...sic transit gloria mundi" - So vergeht die Herrlichkeit der Welt. Nun ist auch der Sockel des Kaiser-Wilhelm-Denkmals unter Raupenschlepper und Spitzhacke geraten. Die Bronzefigur Wilhelms des Großen von Preußen, geschmückt mit Federhelm und wallendem Mantel, die jahrzehntelang den hohen Sockel gegenüber dem Amtsgericht innehatte, war den Folgen des Krieges zum Opfer gefallen. \'Was stellt er wohl vor?\' war viele Jahre die zweideutige Frage an fremde und einheimische Betrachter des Denkmals. Und darauf konnte nur eine Antwort richtig sein: \'... den linken Fuß!\'"

Quellen

Literatur

  •  F. J. Löwenguth: Montabaur Anno Dazumal. Eine Bildersammlung mit erläuternden Beschreibungen, Gedichten und Erinnerungen, Montabaur 1977
  • Montabaur und der Westerwald 930 - 1930. Stadtverwaltung Montabaur. Hg. aus Anlaß der 1000-Jahr-Feier der Stadt Montabaur, Feudingen 1930
  • H. J. Roth: Stadt Montabaur. Rheinische Kunststätten, Heft 227, Neuss 1989
  • U. Schneider: Politische Festkultur im 19. Jahrhundert. Die Rheinprovinz von der französischen Zeit bis zum Ende des Ersten Weltkrieges (1806 - 1918), Essen 1995
  • M. Wild (Bearb.): 700 Jahre Stadt Montabaur. Momentaufnahmen einer wechselvollen Geschichte. Katalog zur Jubiläumsausstellung der Stadt Montabaur, Montabaur 1991