Der 6. Januar 1903. Ein neues Jahr in alten Zeitungen

Ein Blick in die Berichterstattung der regionalen Tageszeitungen vom 6. Januar 1903 vermittelt ein Bild von den aktuellen Geschehnissen, die vor 100 Jahren für die Leserschaft interessant gewesen waren. Die überregionalen und ausländischen Nachrichten nehmen dementsprechend einen breiten Raum ein. Die wenigen lokalen Notizen zeigen, dass der Alltag nach den Sylvester- und Neujahrsfeierlichkeiten wieder vollständig zurückgekehrt war, dass aber von relevanten Ereignissen nicht gesprochen werden konnte.  

Wie ein Blick in die umfangreiche Zeitungssammlung des Landeshauptarchivs Koblenz zeigt, hatte am 6. Januar der Alltag des neuen Jahres 1903 schon vollständig begonnen. Die Sylvester- und Neujahrsfeierlichkeiten gehörten bereits der Vergangenheit an, die tägliche Normalität prägte auch die Tageszeitungen vollkommen. Die Titelseite des "St. Goarer Kreisblattes", des amtlichen Organs für den Kreis St. Goar wurde dementsprechend auch von amtlichen Nachrichten dominiert, die für das neue Jahr maßgeblich waren. So erhielt der Leser z. B. genauere Informationen über "das revidierte Statut für die Kreissparkasse St. Goar" und über die Steuerveranlagung für das Steuerjahr 1903. Einen breiten Raum nahmen die Bekanntmachungen über die anstehenden Rekrutierungen der jungen Männer, die im Jahre 1883 oder früher geboren worden waren, ein. Neben zahlreichen weiteren Mitteilungen erfuhr der Leser bei der Lektüre dieser ersten Seite auch, dass "an zwei Schafen, die der Metzger Bernhard Mayer hier von dem Schäfer Nicolaus Wölwer zu Wiebelsheim erworben hatte, ... der Ausbruch der Räude festgestellt worden ist."

In dem "St. Goarer Kreisblatt" nahmen die ausländischen und überregionalen Nachrichten, die aus anderen Zeitungen übernommen worden waren, einen wesentlich breiteren Raum ein, als in dem "Allgemeinen Anzeiger für den Kreis Meisenheim". Der Leser erfuhr, dass Erzherzog Johann, der Bruder des österreichischen Thronfolgers, im Park seines Schlosses bei Leobersdorf "beim Baumfällen eine starke Verletzung des linken Beines" erlitten hatte. Über das Reichsjustizamt wurde berichtet, dass eine Vereinigung von Sachverständigen zusammengetreten sei, die Stellung zu nehmen habe, zu Fragen der Revision des Strafrechts und des Strafprozesses. "Diese Fragen sind von dem Reichsjustizamte, in dem seit Jahr und Tag ununterbrochen auf diesem Gebiet gearbeitet worden ist, aufgestellt worden, nach vorausgegangener Verständigung mit den einzelstaatlichen Justizverwaltungen." Wie in den Tageszeitungen dieser Zeit sehr verbreitet, durfte natürlich auch nicht der tägliche Fortsetzungsroman fehlen, der es dem Leser ermöglichte, auch in dem neuen Jahr das Schicksal eines Liebespaares zu verfolgen. Auf der letzten Seite dieser Tageszeitung finden sich schließlich auch einige wenige lokale Nachrichten. Aber auch hier hatte sich der ruhige Beginn des neuen Jahres im Kreis St. Goar niedergeschlagen. Die Nachricht über das deutliche Ansteigen des Rheins und die Danksagung an die Spender für das Moviushospital stehen im Mittelpunkt dieser nicht sehr umfangreichen Rubrik. Einen breiteren Raum nehmen die sehr unterschiedlichen Anzeigen ein, die von der Reklame für Stollwerck Schokolade, über Sunlight Seife bis zur Benachrichtigung über die Ziehung zur Pferdelotterie reichen.

Quellen

Literatur

  • F.-J. Heyen (Hg.): Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. Geschichte der deutschen Länder. Territorien-Ploetz. Sonderausgaben, Würzburg 1981    
  • G. Schöllgen: Das Zeitalter des Imperalismus. Oldenbourg Grundriß der Geschichte, Bd. 15, München 1986
  • M. Stürmer: Das ruhelose Reich. Deutschland 1866 - 1918, Berlin 1994
  • H.-U. Wehler:Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 3. Von der "Deutschen Doppelrevolution" bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges 1849 - 1914, München 1995