Der 5. Februar 1952. Das "Veronikaproblem" in Rheinland-Pfalz

Am 5. Februar 1952 erschien in der Mainzer Allgemeinen Zeitung ein Artikel über die Dirnenproblematik in Rheinland-Pfalz. Seit der massiven Stationierung amerikanischer Truppen in Rheinland-Pfalz, die Anfang der 50er Jahre begonnen hatte, war es in der Nähe der Kasernen der amerikanischen Truppen zu einer massiven Konzentration von "leichten Mädchen" gekommen. In der Öffentlichkeit wurde dieses Problem heftig diskutiert, so dass die Landesregierung im Jahr 1954 schließlich zu massiven Gegenmaßnahmen griff. Großrazzien führten zumindest kurzfristig zu einem Abwandern der "Veronikas" und zu einer Beruhigung der Bevölkerung in den betroffenen Regionen.  

Allgemeine Zeitung, 5.2.1952
(LHAKo Bestand 860Z, Nr. 1645)

Am 5. Februar 1952 erschien in der Allgemeinen Zeitung Mainz ein Artikel mit der Überschrift "Razzia nach leichten Frauen". Es wurde berichtet, dass in den vergangenen Tagen mehrere Lokale in Mainz überprüft worden waren und insgesamt 25 Mädchen und Frauen auf die Polizeiwache gebracht wurden. Mehrere dieser Frauen wurden vorläufig festgenommen und dem staatlichen Gesundheitsamt zur Untersuchung übergeben. Hintergrund dieser Maßnahme, die kein Einzelfall war, sondern seit Beginn der 50er Jahre in zahlreichen Regionen von Rheinland-Pfalz regelmäßig durchgeführt wurden, war das sogenannte "Veronikaproblem", das nicht nur die Medien sehr intensiv beschäftigte.

Das "Dirnenunwesen" verursachte in der Öffentlichkeit des Landes großes Aufsehen. Das Thema gehörte seit Anfang der 50er Jahre zum festen und regelmäßigen Repertoire der Tageszeitungen des Landes und fand seit 1952 auch in der überregionalen Berichterstattung zunehmend Aufmerksamkeit. Eine Flut an Leserbriefen dokumentierte immer wieder die wachsende Besorgnis und Entrüstung der Bevölkerung. Zahlreiche Beschwerden von Privatleuten, kirchlichen Würdenträgern und Behörden wurden an die Landesregierung gerichtet und bewirkten die Einleitung von vielfältigen Gegenmaßnahmen. In einem Bericht der Bezirksregierung für Rheinhessen vom 9. April 1953 an das Innenministerium wird die Frage intensiv beleuchtet. "Nach 1945 waren durch die restlose Besetzung Deutschlands und den totalen Zusammenbruch jeglicher staatlicher Ordnung besondere Voraussetzungen geschaffen, die das Anwachsen des Dirnenunwesens außerordentlich begünstigten. Die Verhältnisse haben sich mit Eintritt der Währungsreform und der Besserung der wirtschaftlichen Lage normalisiert."

Das "Dirnenunwesen" verursachte in der Öffentlichkeit des Landes großes Aufsehen. Das Thema gehörte seit Anfang der 50er Jahre zum festen und regelmäßigen Repertoire der Tageszeitungen des Landes und fand seit 1952 auch in der überregionalen Berichterstattung zunehmend Aufmerksamkeit. Eine Flut an Leserbriefen dokumentierte immer wieder die wachsende Besorgnis und Entrüstung der Bevölkerung. Zahlreiche Beschwerden von Privatleuten, kirchlichen Würdenträgern und Behörden wurden an die Landesregierung gerichtet und bewirkten die Einleitung von vielfältigen Gegenmaßnahmen. In einem Bericht der Bezirksregierung für Rheinhessen vom 9. April 1953 an das Innenministerium wird die Frage intensiv beleuchtet. "Nach 1945 waren durch die restlose Besetzung Deutschlands und den totalen Zusammenbruch jeglicher staatlicher Ordnung besondere Voraussetzungen geschaffen, die das Anwachsen des Dirnenunwesens außerordentlich begünstigten. Die Verhältnisse haben sich mit Eintritt der Währungsreform und der Besserung der wirtschaftlichen Lage normalisiert."

Während am Anfang vor allem das Problem der notwendigen Behandlung von Geschlechtskrankheiten im Vordergrund stand, wurden die Beschwerden der in den betroffenen Gebieten lebenden Menschen immer massiver. Nachdem in den größeren Städten wie z. B. in Kaiserslautern durch ein schärferes Eingreifen der deutschen und alliierten Dienststellen die Angelegenheit in kontrollierten Bahnen gehalten werden konnte, verlagerte sich der Schwerpunkt von Angebot und Nachfrage in diesem Gewerbe auf das Land "und insbesondere die entlegensten Dörfer und Gemeinden" Während ein Teil der Bevölkerung durch die Vermietung von Räumlichkeiten zu einem völlig überhöhten Mietzins versuchte von dieser Entwicklung zu profitieren, herrschte bei einem anderen Teil der Menschen eine andere Meinung. "Der anständige Teil der Bevölkerung fühlt sich in seinem Sittlichkeitsgefühl verletzt und verlangt von den Behörden Abhilfe." Lösungen für das Problem wurden viele diskutiert. Während einer Zusammenkunft aller betroffenen Polizeidienststellen, Bürgermeister und Landräte Anfang 1952 machte der Landrat von Kaiserslautern den Vorschlag, das Problem durch die Errichtung von öffentlichen Häusern in der Nähe der Kasernen zu lösen. Die französischen Besatzungstruppen hätten damit sehr gute Erfahrungen gesammelt. Allerdings würden die Amerikaner die Einrichtung von Bordellen grundsätzlich ablehnen und es sei anzuerkennen, "daß die Amerikaner gegen Gewalttätigkeiten gegenüber deutschen Frauen rücksichtslos vorgingen und auch im übrigen die deutschen Dienststellen bei der Bekämpfung des Dirnenunwesens nachhaltig unterstützten."

Zwar gab es nicht wenige Angebote von erfahrenen "Unternehmern" aus ganz Deutschland an das Innenministerium, die die Errichtung und Unterhaltung von "Dirnenunterkünften" gerne in enger Abstimmung mit den Polizei- und Gesundheitsbehörden übernommen hätten, aber die Landesregierung ging einen anderen Weg. Im Herbst 1954 leitete das Innenministerium eine Sonderaktion ein, die in der Presse mit großem Interesse verfolgt wurde und als "Veronikajagd" betitelt wurde. Die aufeinander abgestimmten Großrazzien, die in kürzesten Abständen in den betroffenen Gebieten regelmäßig wiederholt wurden und zur Verhaftung und Registrierung einer Unzahl junger Damen führte, waren sehr erfolgreich. Am 2. November 1954 berichtete die Pfälzische Volkszeitung unter der Überschrift "Leichte Mädchen wandern weiter". "Der größte Teil der Veronikas ist aus dem Raum Kaiserslautern, Landstuhl und in Pirmasens abgewandert, und den Einwohnern dieses Gebietes ist es heute wieder möglich, nach Einbruch der Dunkelheit über die Straße zu gehen, ohne belästigt zu werden. Dieses Fazit wurde jetzt aus einer Sonderaktion gegen das Dirnen- und Zuhälterunwesen in der Westpfalz gezogen, die vor vier Wochen begann."

Damit war das Problem, das eine so ungewöhnlich starke Resonanz in der Öffentlichkeit gefunden hatte nicht vollständig gelöst. Die durch die Vielzahl an Razzien vorläufig herbeigeführte Entspannung war nicht von langer Dauer. Wie es in einem Angebot aus Hannover zur Errichtung und Unterhaltung von Bordellen formuliert wurde: "Ausrotten kann man das Dirnentum nicht, denn die Praxis in einer langen Geschichte hat gezeigt, daß man in der Nähe von Soldatenunterkünften mit einer feststehenden Tatsache rechnen muß: den Dirnen."

Quellen

Literatur

  • H.-G. Borck (Hg.): Beiträge zu 50 Jahren Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung Rheinland-Pfalz, Bd. 73, Koblenz 1997
  • F.-J. Heyen (Hg.): Rheinland-Pfalz entsteht. Beiträge zu den Anfängen des Landes Rheinland-Pfalz in Koblenz 1945 - 1951, Boppard 1984
  • M. Kißener: Kleine Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz, Leinfelden-Echterdingen 2006
  • H.-J. Wünschel (Hg.): Rheinland-Pfalz. Beiträge zur Geschichte eines neuen Landes, Landau 1997