Der 5. Januar 1945. Luftangriff auf Ludwigshafen

Als einer der letzten und folgenreichsten Bombenangriffe auf die Industriestadt Ludwigshafen während des Zweiten Weltkrieges markiert der 5. Januar 1945 den Anfang vom Ende der nationalsozialistischen Herrschaft in dieser Stadt. Anfang 1945 war Ludwigshafen nach monatelanger Bombardierung durch britische und amerikanische Fliegereinheiten eine Trümmerwüste, in der das alltägliche Leben fast vollständig zum Erliegen gekommen war. Seit Anfang März 1945 lag die Stadt im unmittelbaren Frontbereich und wurde schließlich seit dem 20. März von amerikanischen Truppen eingenommen.

Der 5. Januar 1945 markiert einen der traurigen Höhepunkte der Bombardierung der Industriestadt Ludwigshafen während des Zweiten Weltkrieges. "Kaum ein Ludwigshafener war auf die Schrecken des Bombenkriegs gefaßt, obwohl - oder gerade weil - die Behörden schon lange vor dem Krieg mit dem Aufbau einer umfassenden Luftschutzorganisation begonnen hatten, die den Eindruck erweckte, man werde die Lage in jedem Fall im Griff behalten. Der 1933 gegründete Reichsluftschutzbund eröffnete schon im Oktober desselben Jahres die erste Luftschutzschule Deutschlands in Ludwigshafen und trug die Gedanken des Luftschutzes hinter der eigenen Haustür in die Bevölkerung. Nachdrücklich wurde die Aufstellung von Löschmaterial auf den Dachböden, das Sammeln von Wasser in Behältnissen etc. angemahnt, um so dem Einzelnen die Rettung seiner durch Brandbomben gefährdeten Behausung zu ermöglichen." Mannheim und Ludwigshafen galten aufgrund ihrer industriellen Bedeutung und ihrer Nähe zur Grenze als "Luftschutzorte erster Ordnung", so dass hier bereits 1933 auch die ersten Alarmübungen stattfanden.

Mit dem Bau von Luftschutzräumen wurde ebenfalls relativ früh begonnen. Bereits seit Anfang 1937 hatten Stadt und IG Farben zahlreiche Schutzräume erstellt und mit Kriegsbeginn wurden diese Bemühungen noch einmal deutlich intensiviert. Viele dieser Bunker hätten einem tatsächlichen Angriff aber nicht standgehalten: Erst am 10. Oktober 1940 wurde aufgrund eines Führerbefehls in besonders "luftangriffgefährdeten Orten" mit dem Bau von bombensicheren Bunkern begonnen. In Ludwigshafen entstanden 29 öffentliche Anlagen. Hinzu kamen einige Bunker auf dem Gelände der Reichsbahn und der IG Farben. Diese Einrichtungen waren für die gesamte Bevölkerung bei weitem nicht ausreichend, einige Stadtteile Ludwigshafens verfügten über keinerlei Schutzräume. Dies war in den ersten Kriegsjahren allerdings auch kein größeres Problem. Zwischen Ende Oktober 1941 und Anfang August 1943 gab es insgesamt acht Luftangriffe auf die Stadt, die keinerlei größeren Schaden anrichteten. Bei diesen ersten Bombenangriffen wurde der Keller des jeweiligen Wohnhauses als völlig ausreichender Schutzraum angesehen und entsprechend genutzt.

Die Allierten verschärften den Bombenkrieg. Seit Ende 1943 flogen die Amerikaner verstärkt Tagesangriffe, während die britischen Bomber ihre Ladungen nachts abwarfen. Die wenigen Bunker wurden zur überlebensnotwendigen Zufluchtstätte. In den wenigen Monaten zwischen Juli 1944 und dem Kriegsende starben 64,4 % aller Luftkriegsopfer der Stadt und 56,6 % der Totalschäden an Gebäuden wurden in dieser Zeit verursacht. Oftmals gab es an einem Tag mehrere Angriffe, so dass die verängstigten Menschen kaum Zeit und Möglichkeiten hatten, die Schäden zu beseitigen bzw. nach Angehörigen, Freunden und Nachbarn zu suchen. Die Bausubstanz der Industriestadt wurde teilweise bis zu über 80 % zerstört, wobei der Wohnraumverlust in der Innenstadt am größten war.

Quellen

Literatur

  •  S. Fauck: Geschichte der Stadt Ludwigshafen am Rhein in Daten. Veröffentlichungen des Stadtarchivs Ludwigshafen 2, 2. Auflage, Speyer 1989    
  • S. März u. K. J. Becker (Hg.): Geschichte der Stadt Ludwigshafen, Bd. 2. Vom Ende des Ersten Weltkrieges bis zur Gegenwart, Ludwigshafen 2003
  • H. Schwarz: Was vom Leben bleibt, sind Bilder und Erinnerungen. Kindheit und Jugend von 1929 bis 1946 bin Rheingönheim und Ludwigshafen, Ludwigshafen 1998