Der 4. Dezember 1950. Ausbau der Bundestraße 9

Am 4. Dezember 1950 berichtete die Staatszeitung über den geplanten Ausbau der Bundesstraße 9, die bis heute eine der wichtigsten Verkehrsstraßen des Landes ist. Im Rahmen des Wiederaufbaus des Verkehrsnetzes nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Maßnahmen im Bereich der B 9, die auf ein Kostenvolumen von über 100 Millionen DM geschätzt wurden, nicht nur angesichts des ständig anwachsenden Verkehrs dringend erforderlich. Die linksrheinische Straße war eine wichtige Anbindung an das bundesdeutsche Fernstraßennetz.  

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges konnte im Gebiet des heutigen Landes Rheinland-Pfalz von einer Verkehrsinfrastruktur nicht die Rede sein. Vor allem in den Städten und in den ohnehin strukturell unterentwickelten Höhenlagen an der Westgrenze des Landes waren die Zerstörungen verheerend. Neben dem Eisenbahnwesen, das so gut wie völlig zusammengebrochen war und den zahlreichen Brücken über Rhein, Mosel, Lahn und Nahe, die erst wieder aufgebaut werden mussten, waren auch die Straßen in einem katastrophalen Zustand. Mehr als ein Drittel aller Brücken mit einer Spannweite von fünf Metern waren vollständig zerstört, "darunter sämtliche Rheinbrücken zwischen Neuwied im Norden und Maxau im Süden sowie weitere 16 Moselbrücken, 10 Lahnbrücken und 17 Nahebrücken." (Plappert) In einem Bericht der Landesregierung aus dem Jahr 1953 wurde angegeben, dass in Rheinland-Pfalz insgesamt 625 Brücken durch den Krieg zerstört worden waren. Wie schwierig die Lage im Verkehrswesen gewesen ist, wird allein dadurch deutlich, das die einrückenden alliierten Truppen, die Straßen zuerst durch Knüppeldämme befahrbar machen mussten, bevor an ein Vorankommen gedacht werden konnte.

Auch nach der Gründung des Bundeslandes Rheinland-Pfalz durch die Verordnung Nr. 57 vom 30. August 1946 blieb es eine der existentiellen Aufgaben, das Verkehrsnetz wieder aufzubauen und den gewachsenen Bedürfnissen anzupassen. Aber trotz zahlreicher Rückschläge, der bis Herbst 1949 bestehenden Zwangswirtschaft im Straßenwesen, wie Fahrtenbücher, Sonntags- und Nachtfahrverbot und weiterer Einschränkungen durch die Besatzungsmacht war es bis 1950 gelungen sehr beeindruckende Fortschritte zu erreichen. "Die Leistungen im Wiederaufbau des Verkehrswesens in Rheinland-Pfalz sind auf allen Gebieten besonders eindringlich. Genügt es doch, sich den totalen Zusammenbruch des Jahres 1945 mit dem fast völligen Erliegen jeglichen Eisenbahn- und Kraftfahrzeugverkehrs in die Erinnerung zu rufen und damit etwa die heute erreichte Verkehrsdichte im Kraftfahrzeugverkehr oder die heutigen Leistungen der Bundesbahn im Personen- und Güterverkehr mit den Zuständen auf Straßen und Schienen bis zur Währungsreform zu vergleichen. Wiederherstellung und Ausbau der Verkehrswege, ganz besonders aber die Produktion von Verkehrsmitteln, haben sich in einem im Chaos des Jahres 1945 unvorstellbaren Ausmaß und Tempo entwickelt."

Dennoch blieben viele Probleme, die die Landesregierung auch in den nächsten Jahren intensiv beschäftigten. Am 4. Dezember 1950 informierte die Landesregierung in der Staatszeitung über ein weiteres Großprojekt, das viele Jahre in Anspruch nehmen sollte und eine hohe finanzielle Belastung bedeutete. In einer Denkschrift des Landes an das Bundeswirtschaftsministerium wurde auf die "unhaltbaren Verkehrsverhältnisse auf der Bundesstraße 9" hingewiesen und detaillierte Vorschläge für den Ausbau der Straße von Rolandswerth bis Mainz gemacht. Dieser Ausbau war aufgrund der völlig unzureichenden Anbindung des Landes an das bundesdeutsche Fernstraßennetz dringend geboten. Das wachsende Verkehrsaufkommen konzentrierte sich auf die beiden Bundesstraßen 9 und 42 im Rheintal und auf die immer noch nicht vollständig wiederhergestellte Autobahn Köln-Frankfurt. Die beiden Bundesstraßen zeichneten sich durch zahlreiche enge Ortsdurchfahrten, Bahnübergänge und Engstellen und Kurven aus, so dass das immer mehr wachsende Verkehrsaufkommen nach der Währungsreform zu einem immer größeren Problem wurde.

Besonders belastet war die linksrheinische Strecke, für die die Landesregierung bereits im Sommer 1950 eine teilweise Sperrung für den Lastkraftverkehr angeordnet hatte. Dies hatte man aufgrund der dramatischen wachsenden Unfallzahlen als notwendig angesehen. Der Rückgriff auf frühere Planungen und die Zusammenarbeit mit dem Bund ermöglichte schließlich den Ausbau des linksrheinischen Verkehrsweges. "Mit der Frage des Ausbaus der Bundesstraße 9 befaßte sich bereits im Jahre 1930 eine Denkschrift des Landeshauptmanns der Rheinprovinz. ... In dieser Denkschrift wurde im wesentlichen der Ausbau der linken Rheinuferstraße empfohlen, da diese Strecke hochwasserfrei angelegt werden kann und auf 64 km Länge nur 15 Ortschaften durchlaufen werde, während auf der rechtsrheinischen Strecke, auf der 2,8 km nicht hochwasserfrei sind, auf 87 km 28 Ortschaften passiert werden müssen. In dieser Denkschrift waren bereits die Ortsumgehungen Sinzig-Niederbreisig und Andernach-Weißenthurm." Eine weitere Untersuchung aus dem Jahre 1941 betraf die Strecke von Remagen bis Bingen. Auf diesen Grundlagen wurden die Planungen für den gesamten Bereich von Rolandswerth bis Mainz erarbeitet und mit einem Kostenansatz von 100 Millionen DM in Angriff genommen. Die Fahrbahn, die bis dahin eine durchschnittliche Breite von 6 m und an einigen Engpässen 4 m bzw. 4,50 m hatte, sollte die erforderliche Breite von 7,50 m erhalten, was vor allem aufgrund der geographischen Verhältnisse zu einem nicht zu unterschätzenden Problem wurde. "Zudem werden auf der ganzen Länge durch Grünstreifen geschützte Fußgänger- und Radfahrwege angelegt, so daß sich eine Gesamtbreite von 15.50 m ergibt. Damit wird nicht nur die Verkehrssicherheit wesentlich erhöht, sondern auch die Lärmbehinderung entscheidend herabgemindert." Darüber hinaus sahen die Planungen die Beseitigung von 13 Bahnübergängen vor und die Umgehung mehrerer Ortsdurchfahrten, die ebenfalls den fließenden Verkehr deutlich behinderten.

Wie groß der zeitliche Rahmen für diesen Ausbau sein musste, zeigt allein die Tatsache, das bis Ende 1953 von den geplanten Geldern bis dahin 14 Millionen investiert waren. Ein ausführlicher Artikel in der Staatszeitung vom 11. Oktober 1953 informierte über die Fortschritte des Ausbaus und die geplanten Maßnahmen, die kurz vor der Umsetzung standen. Zu diesem Zeitpunkt wurde geschätzt, dass noch ein Kostenvolumen von über 100 Millionen DM erforderlich sei. "Von ihrer Bereitstellung werden Tempo und Dauer der Arbeiten wesentlich bestimmt. Es ist anzuerkennen, dass das Bundesverkehrsministerium das umfassende Projekt bisher großzügig gefördert hat. Die Ausgaben lohnen sich, weil nach Durchführung des Gesamtplanes die Bundestraße 9 frei von Bahnübergängen und fast völlig frei von gefährlichen Ortsdurchfahrten sein wird." Bis dieses Ziel erreicht werden konnte, sollte die B9 den Landeshaushalt und den Bundeshaushalt noch einige Jahre belasten.

Quellen

Literatur

  • W. Bosch: Rheinland-Pfalz. Eine Analyse seiner wirtschaftlichen Struktur, Mainz 1957    
  • E. Freund: Das Staatswesen in Rheinland-Pfalz. Geschichte, Zustand, Verkehr, Finanzierung, Mainz 1953
  • D. Klenke: Bundesdeutsche Verkehrspolitik und Motorisierung. Konfliktträchtige Weichenstellungen in den Jahren des Wiederaufstiegs, 1993
  • R. Plappert: Verkehr und Verkehrspolitik, in: Beiträge zu 50 Jahren Geschichte des Landes Rheinland-Pfalz. Veröffentlichungen der Landesarchivverwaltung, Bd. 73, Koblenz 1997, S. 235 ff.
  • Staatskanzlei Rheinland-Pfalz: 6 Jahre Aufbau in Rheinland-Pfalz, Mainz 1953