Der 4. Mai 1837. Grundsteinlegung der Pfarrkirche in Vallendar.

Am 4. Mai 1837 wurde in Vallendar die Grundsteinlegung für den Neubau der katholischen Pfarrkirche gefeiert. Das Gotteshaus aus dem 13. Jahrhundert war für die wachsende Gemeinde bereits Ende des 18. Jahrhunderts zu klein geworden. Mehrere Vorstöße des damaligen Pfarrers Reuter, Unterstützung für eine Erweiterung oder einen Neubau zu erhalten, scheiterten ebenso, wie die zahlreichen Eingaben an die preußische Regierung ab 1821. Erst die Unterstützung des Kronprinzen Friedrich Wilhelm machte die Grundsteinlegung und den Neubau möglich. Am 19. September 1841 konnte die von Johann Claudius von Lassaulx geplante Kirche eingeweiht werden.  

Nach einer älteren Überlieferung soll der Trierer Erzbischof Hetti um 836 in Vallendar eine größere Kirche gebaut haben, doch reichen die Ursprünge der Pfarrei wahrscheinlich nur in das frühe 13. Jahrhundert zurück. Bei der im 13. Jahrhundert errichteten Kirche handelte es sich um eine spätromanische Basilika mit einer flachen Decke und einer Krypta, die als Begräbnisstätte der Grafen von Sayn diente. Bereits in der Zeit des Trierer Kurfürsten Clemens Wenzeslaus (1768 - 1801) zeigte sich die Notwendigkeit, diese Kirche durch eine neue, größere zu ersetzen. Aufgrund einer Reparatur im Jahre 1694 war das Gotteshaus zwar wahrscheinlich nicht baufällig. Es bot der wachsenden Gemeinde allerdings viel zu wenig Platz, so dass sich der für Vallendar von dem Erzbistum Trier ernannte Pfarrer, Johann Philipp Reuter, bereits 1792 für einen Neubau der Pfarrkirche einsetzte. Ein Bittgesuch Reuters aus dem Jahre 1821 an das zuständige Ministerium in Berlin berichtet über diesen ersten Vorstoß. "Daß [...] die Kirche für eine stets wachsende Bevölkerung unmöglich hinlänglichen Raum darbieten kann, ist in die Augen fallend. Schon sehr lange wurde dieß dringende Bedürfniß gefühlt und weiland Sr. Kurfürstliche Durchlaucht von Trier Clemens Wenzeslaus versicherte uns denn auch bei Gelegenheit seiner persönlichen Anwesenheit in Vallendar, daß er die dringende Nothwendigkeit einer Vergrößerung der Kirche oder eines Neubaus derselben selbst fühle und dafür sorgen werde. Die Unruhen der Revolution und des Krieges, die seit den Jahren 1791 und 92 so viele Jahre lang unseren heimatlichen Gegenden beunruhigten und verheerten, dann die darauf gefolgten Territorial-Veränderungen hinderten die Erfüllung der gegebenen fürstlichen Versicherung."

"Der letzte Gottesdienst in der alten Kirche fand am 9. April 1837 statt, an welchem Sonntag das Fest "Ewiges Gebet" abgehalten wurde. Es war ein rauer und kalter Tag, der das Gemüt seltsam traurig stimmte. Um 4 Uhr Nachmittags ging die Prozession durch Vallendar, bei derselben waren die Bruderschaften, die Zünfte und Vereine vertreten, außerdem nahmen mehrere Geistliche aus der Nachbarschaft teil. Nach beendeter Prozession wurde in der Kirche das Te Deum gesungen und der Sacramentalische Segen gespendet. Damit nahmen die Gläubigen Abschied von ihrem alten Gotteshaus. Viele konnten sich der Tränen nicht erwehren." Bis zur Fertigstellung der neuen Kirche wurde eine sogenannte "Notkirche" in der Eulsgasse genutzt, die für diesen Zweck in einer Scheune des ehemaligen Schlat`schen Anwesens eingerichtet worden war.

Der Abriss der alten Kirche machte sehr schnelle Fortschritte, so dass am 4. Mai 1837 die feierliche Grundsteinlegung erfolgen konnte. Eine Ortschronik berichtet ausführlich über dieses Ereignis. "Zur Feier der Grundsteinlegung war ein großes Fest veranstaltet worden - es waren zugegen: Der königliche Oberpräsident, Freiherr von Bodelschwingh, der königliche Regierungspräsident Baron von Spregel [Baron von Schleinitz 1837 - 1842], Schulrat Brüggemann, Regierungsrat Wahlert und mehrere andere hohe Beamte, der Bürgermeister, der Pfarrer Nußbaum und die beiden hiesigen Kapläne Castor und Dr. Wenger und eine große Zahl Geistlicher aus der Umgebung. Vorher ging eine große Prozession durch die Straßen, wobei sich die Schützengesellschaft, die Schifferzunft, Nikolaus-Bruderschaft, die Bäckerzunft, Schuhmacher- und Hammerzunft mit ihren Fahnen beteiligten, voran ging ein Musikchor. Die Feier der Grundsteinlegung war recht erhebend und wurde die kirchliche Ceremonie durch Pastor Nußbaum nach dem Trierer Rituale vorgenommen. In den Grundstein wurde eine, von den Hauptpersonen unterzeichnete Urkunde niedergelegt, ferner Münzen, die im gegenwärtigen Jahr geprägt waren, Wein etc."

Quellen

Literatur

  • 836 - 1986. 1150 Jahre Pfarrgemeinde St. Marzellinus und Petrus Vallendar. Zum Jubiläum hg. v. Pfarrgemeinderat St. Marzellinus und Petrus Vallendar, Koblenz 1986    
  • 1841 - 1966. 125 Jahre Pfarrkirche St. Marcellinus und St. Peter Vallendar, Bendorf 1966
  • R. Dauber: Die Kirchenbauten von Johann Claudius von Lassaulx (1781 - 1848) und Ferdinand Jakob Nebel (1782 - 1860), in: Landeskundliche Vierteljahrsblätter, Jhg. 23, 1977, S. 141 - 147
  • U. Liessem: Zum Kirchen- und Kapellenbau des Johann Claudius von Lassaulx, in: Koblenzer Beiträge zur Geschichte und Kultur, Bd. 8, Koblenz 1998, S. 25 -  41
  • B. Resmini: Die Pfarrei Vallendar im Mittelalter und in der Neuzeit, in: 1150 Jahre Pfarrgemeinde St. Marzellinus und Petrus Vallendar, Koblenz 1986, S. 19 - 49
  • J. Schmidt, G. Mertens, R. Mertens: 125 Jahre Stadt Vallendar. Eine Stadt stellt sich vor, Vallendar 1981
  • H. Weides (Hg.): Vallendar am Rhein, Vallendar 1925