Der 3. Juli 1900. Die Feiern zum 500. Geburstag Johannes Gutenbergs

Am 3. Juli 1900 berichtete das Kreisblatt für den Kreis Westerburg über die Jubiläumsfeierlichkeiten zum 500. Geburstag Johannes Gutenbergs in Mainz. Der berühmteste Sohn der Stadt hatte im 15. Jahrhundert mit seiner neuen Technik des Buchdrucks mit beweglichen Typen und Presse nicht nur die Geschichte der Kommunikation bis in das Zeitalter von digitalen Satz- und Drucksystemen geprägt sondern auch die Kulturgeschichte der Menschheit revolutioniert. Trotz seiner Bedeutung ist das Wissen über das Leben und Werk des "Mannes des Jahrtausends" sehr lückenhaft. Zufallsfunde aus der Entstehungszeit der Gutenbergbibel, wie der 1990 im Landeshauptarchiv Koblenz entdeckte Probedruck, sind wichtige Facetten, die wertvolle Erkenntnisse über die Arbeit Johannes Gutenbergs liefern.  

"Der Gutenbergfestzug in Mainz übertraf an Großartigkeit weit alle derartigen Veranstaltungen, welche jemals in unserer Gegend stattfanden. Die Tribünen waren bis zum letzten Platz besetzt und eine dichtgescharte Zuschauermenge füllte die Straßen, durch welche sich der riesige Festzug bewegte, an dem über 3.000 Personen, nahezu 1.000 Pferde und mehr als 40 Prunkwagen teilnahmen. Die demselben zu Grunde liegende Idee: `Zeitgenossen Gutenbergs und die Nachwelt huldigen dem Erfinder der Buchdruckerkunst vor seinem Denkmal und veranschaulicht zugleich, den Fortschritt, den Wissenschaft und Kunst durch die Erfindung der Buchdruckerkunst gemacht haben`, war in glänzender Weise durchgeführt." Dieser Bericht über die Feierlichkeiten aus Anlass des 500. Geburtstages des berühmtesten Sohnes der Stadt Mainz war am 3. Juli 1900 im Kreisblatt für den Kreis Westerburg zu lesen. Obwohl das genaue Geburtsdatum Johannes Gutenbergs bis heute nicht zweifelsfrei festgelegt werden konnte, wird seit der Jubiläumsfeier des Jahres 1900 in Mainz, die mit großer Zustimmung und Beteiligung der internationalen Öffentlichkeit stattfand, das Jahr 1400 als "symbolisches Datum" akzeptiert, so dass das Jahr 2000 in der rheinland- pfälzischen Hauptstadt ganz im Zeichen der Veranstaltungen zum 600. Geburtstag steht.

Johannes Gutenberg war der Sohn des Mainzer Patriziers Friele Gensfleisch zur Laden und seiner zweiten Frau Else Wirich. Der Namenszusatz zum Gutenberg wurde von der Familie seit etwa 1420 verwendet. Über die Kinder- und Jugendjahre Gutenbergs, über seine Ausbildung und ein mögliches Universitätsstudium kann nur spekuliert werden. Im Jahre 1428 musste Gutenberg die Stadt Mainz aufgrund seiner Beteiligung an den Auseinandersetzungen zwischen den Zünften und den bis dahin tonangebenden Familien verlassen. 1434 findet sich seine Spur in Straßburg wieder, wo er als Handwerksmeister, Kaufmann und bereits als Erfinder auftritt. Spätestens seit dem 17. Oktober 1448 wurde Gutenberg allerdings wieder in Mainz heimisch.

Während es bis zu diesem Zeitpunkt immer wieder längere Lücken in seinem Lebenslauf gibt, liegen für die folgenden Jahre ausreichende Quellen vor. Mit der Unterstützung des Mainzer Advokaten Johannes Fust brachte Gutenberg die notwendigen finanziellen Mittel auf, um einer neuen, und wie sich herausstellte, revolutionären Technik zum Durchbruch zu verhelfen. Der Buchdruck mit beweglichen Typen und Presse, der um das Jahr 1450 zur Entstehung einer Bibel mit 42 Zeilen pro Spalte, der sogenannten B 42, führte, löste die jahrhundertealte Tradition des vollständigen Abschreibens von Texten ab. Es wurde errechnet, dass für Guss und Satz dieser Bibel wahrscheinlich etwa drei Jahre Arbeitszeit notwendig gewesen sind. Diese Zeit benötigte auch ein Schreiber, um eine Bibel vollständig abzuschreiben. Jetzt war es aber aufgrund der von Gutenberg entwickelten Technik möglich, in der gleichen Zeit 180 Exemplare herzustellen, 40 auf Pergament und 140 auf Papier. Auf dem Frankfurter Reichstag im Oktober 1544 wurden die Bibeln einem zahlungskräftigen und einflussreichen Publikum, bestehend aus zahlreichen weltlichen und geistlichen Fürsten präsentiert. Ein schneller Verkauf der ersten Auflage bestätigte den Erfolg der neuen Technik.

Aber trotz dieser positiven Entwicklung ihrer Zusammenarbeit kam es zwischen Fust und Gutenberg zu einer gerichtlichen Auseinandersetzung über die Rückzahlung der von Fust zur Verfügung gestellten Kredite. In der gerichtlichen Auseinandersetzung wurde Fust die Druckerwerkstatt zugesprochen, die dieser mit dem Gesellen Peter Schöffer, einem der engsten Mitarbeiter Gutenbergs, erfolgreich weiterführte. Der Verlust des Bibeldrucks und der Werkstatt blieb für Gutenberg nicht ohne Wirkung. Die wenigen Nachrichten über sein weiteres Leben zeigen, dass er seine Arbeit "in qualitativ und quantitativ spürbar reduzierter Form" weiterführte. Gutenberg scheint sein Wissen in den folgenden Jahren an seine Gesellen und andere Druckereien weitergegeben zu haben, so dass sich seine bahnbrechende Erfindung ungehindert ausbreiten konnte. Seine letzten Lebensjahre verbrachte der Drucker als "Hofmann" Adolf von Nassaus in Mainz. Durch diesen Ehrentitel mit zahlreichen materiellen Vergünstigungen ausgestattet, starb Gutenberg am 3. Februar 1468.

Das Interesse, dass das Leben Johannes Gutenbergs nicht nur in der Fachwelt sondern auch in der breiten Öffentlichkeit findet, wirft ein Licht auf seine Bedeutung für die kulturelle und zivilisatorische Entwicklung der Menschheit. Bis weit in das 19. Jahrhundert wurden die technischen Erfindungen Gutenbergs fast völlig unverändert angewendet. "Erst der Fotosatz in den 50er Jahren und die elektronischen Publikationsmöglichkeiten der 90er Jahre machten das Blei, den Schriftguß und den Typensatz überflüssig. Das Grundprinzip, die Texte in die kleinsten möglichen Bestandteile zu zerlegen, bleibt jedoch auch bei digitalen Satz- und Drucksystemen erhalten." Gutenbergs Erfindung ist als eines der entscheidendsten Kapitel in der Geschichte der Kommunikation anzusehen, ohne das die Entwicklungen der folgenden Jahrhunderte von den Entdeckungsreisen Kolumbus, über die Reformation bis zur Aufklärung des 18. Jahrhunderts nicht möglich gewesen wären. Die Stadt Mainz feiert mit berechtigtem Stolz im Jahr 2000 den Geburtstag des "Mannes des Jahrtausends".

Quellen

Literatur

  • St. Füssel: Johannes Gutenberg, Reinbeck bei Hamburg 1999    
  • St. Füssel: 100 Jahre Gutenberg-Forschung, in: Gutenberg-Festschrift 2000, Bd. 75, Mainz 2000, S. 7 - 26
  • St. Füssel: Johannes Gutenberg (1400 - 1468), in: Mainz. Die Geschichte einer Stadt, hg. v. F. Dumont, F. Scherf, F. Schütz, Mainz 1998, S. 859 - 875   
  • A. M. Keim: Gutenberg und seine Zeit. Mainz im 15. Jahrhundert, in: Vor- Zeiten. Geschichte in Rheinland-Pfalz, Hg. v. D. Lau und F.-J. Heyen, Bd. 1, S. 95 - 110, Mainz 1985
  • A. Ruppel: Johannes Gutenberg. Sein Leben und Werk, Berlin 1939, 2. Aufl. Berlin 1947; Nachdruck Nieuwkopp 1967
  • A. Ruppel: Johannes Gutenberg und Christoph Columbus. Die Väter der Neuzeit, Mainz 1964
  • H. Widmann: Vom Nutzen und Nachteil der Erfindung des Buchdrucks - aus der Sicht der Zeitgenossen des Erfinders. Festvortrag, gehalten bei der Jahrestagung der Gutenberg-Gesellschaft am 26. Juni 1972 in Mainz, Kleiner Druck der Gutenberg-Gesellschaft, Nr. 92, Mainz 1973