Der 2. Dezember 1925. Die BASF und die Gründung der IG-Farben

Am 2. Dezember 1925 gab die BASF mit der Gründung der "Interessengemeinschaft Farbenindustrie Aktiengesellschaft" ihre Selbstständigkeit auf. Die Badische Anilin und Soda Fabrik, die im Jahr 1865 von Friedrich Engelhorn gegründet worden war, hatte sich durch die Entwicklung technischer und wissenschaftlicher Neuerungen weltweit einen Namen gemacht. Als Teil der IG Farben war die BASF an dem kometenhaften Aufstieg des Konzerns während der nationalsozialistischen Herrschaft beteiligt. Die chemische Industrie und hier vor allem die IG Farben entwickelte sich zu einem der wichtigsten Grundpfeiler der deutschen Kriegsindustrie und -führung. Dementsprechend gehörten ihre Betriebe zu den Hauptangriffszielen der Alliierten. Der Wiederaufbau der BASF nach dem Krieg wurde erschwert durch die Demontagen, den Verlust der Leuna Werke und die Entflechtung des IG Farben Konzerns. Erst im Jahre 1952 erhielt die BASF ihre vollständige Handlungsfreiheit zurück.

Die BASF, die Badische Anilin und Soda Fabrik wurde 1865 von dem ehemaligen Goldschmied Friedrich Engelhorn gegründet. Engelhorn der bereits seit 1851 Mitinhaber der "Badischen Gesellschaft für Gasbeleuchtung" in Mannheim gewesen war, gründete im Jahre 1861 ebenfalls in Mannheim eine Teerfarbenfabrik. Die Herstellung wichtiger Farbstoffe für die Seiden- und Wollfärberei erwies sich als lohnendes Geschäft, so dass Engelhorn einen umfangreichen Ausbau der Fabrikation in die Wege leitete. "Er plante ein neuartiges Unternehmen für den gesamten Herstellungsgang von den Ausgangs- und Hilfsstoffen über die Vor- und Zwischenprodukte bis hin zu den Farbstoffen.

Als Geldgeber für die Gründung der Aktiengesellschaft mit dem Namen "Badische Anilin und Soda Fabrik" stellte sich der Mannheimer Bankier Seligmann Ladenburg zur Verfügung. Die Einholung der Genehmigung und der Geländeankauf für die neue Firma stießen allerdings auf Schwierigkeiten. Die bereits vorhandene chemische Industrie wehrte sich über den Stadtrat erfolgreich gegen die Ansiedelung der Konkurrenz. Engelhorn verwirklichte seine Pläne dementsprechend auf der anderen Rheinseite in der bayrischen Pfalz. Unter der Regierung von König Maximilian II. stand man hier den Naturwissenschaften und insbesondere der Chemie sehr aufgeschlossen gegenüber, wodurch die neue Fabrikation in Ludwigshafen die optimalen Voraussetzungen erhielt. Am 15. Mai 1865 konnte mit dem Fabrikbau auf dem Gelände des Hemshofes am neuen Rheindurchstich begonnen werden.

Mit der ersten Synthese eines natürlichen Farbstoffes, dem Alizarin im Jahre 1870, der hauptsächlich in der Baumwollfärberei eingesetzt wurde, begann die Erfolgsgeschichte der BASF. Auch mit der Synthese der Farbstoffe Indigo (1897) und Indanthren (1901) konnte man der wachsenden Nachfrage der Textilindustrie entsprechen und die Grundlagen für ein weltweites Verkaufs- und Produktionsengagement legen. Die BASF entwickelte sich innerhalb kürzester Zeit zu einem der größten Unternehmen der chemischen Industrie. Die Zahl der Mitarbeiter stieg von rund 30 im Gründungsjahr 1865 auf über 10.000 im Jahr 1913. Lange bevor die ersten gesetzlichen Regelungen einsetzten, entwickelt die Betriebsleitung eine intensive innerbetriebliche Sozialpolitik. Neben dem Bau von Wohnheimen und Werkswohnungen hatten Gesundheitsfürsorge und Arbeitsschutz oberste Priorität. Daneben wurde die materielle Absicherung gegen die Folgen von Alter, Krankheit und Invalidität durch die Einrichtung von Fonds und Versicherungen verbessert. Im Jahr 1871 eröffnete die BASF einen Arbeiterpensionsfonds, 1875 eine Krankenunterstützungskasse. Nach Inkrafttreten der Bismarckschen Sozialgesetze wurden diese Einrichtungen 1884 in eine Betriebskrankenkasse und 1888 in eine Pensionskasse umgewandelt, die beide von den Versicherten verwaltet wurden.

Bereits um die Jahrhundertwende hatte die BASF mit den ersten Forschungen über den Stickstoff begonnen und damit ein völlig neues Gebiet der Chemie betreten. Mit der Entwicklung einer Herstellungsmethode von synthetischem Ammoniak aus Luftstickstoff und der Entwicklung einer Ammoniaksyntheseanlage in dem neuerrichteten Oppauer Werk im Jahre 1913 hatte die BASF die Grundlage für eine dem Bevölkerungswachstum entsprechende Düngemittelproduktion gelegt. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges und dem Verlust der Rohstofflieferungen aus dem Ausland wurde in Ludwigshafen ein großtechnisches Verfahren zur Salpetergewinnung aus Ammoniak entwickelt, das sowohl für die Düngemittel- wie auch für die Sprengstoffherstellung benötigt wurde. Um eine ausreichende Menge für beide Bereiche produzieren zu können, wurde im Jahre 1916 mit dem Bau einer zweiten Ammoniakanlage, den Leunawerken bei Merseburg begonnen, die 1917 die Produktion aufnahmen. Darüber hinaus beteiligte sich die BASF auch mit der Produktion von Phosgen, einem Zwischenprodukt bei der Farbstoffherstellung, das unter der Bezeichnung Grünkreuz als Kampfgas eingesetzt wurde, an der Aufrechterhaltung der Kriegsmaschinerie während des Ersten Weltkrieges.

Nach dem Krieg nahmen Vertreter der BASF ihre Bemühungen um eine engere Zusammenarbeit mit anderen Betrieben der chemischen Großindustrie wieder auf. Nachdem es schon 1904 und in erweitertem Umfang 1916 zu einer Interessengemeinschaft gekommen war, wurden diese Ansätze in den 20er Jahren weiter intensiviert. Am 2. Dezember 1925 kam es schließlich zur Fusion der BASF mit fünf weiteren Firmen. Zu der "Interessengemeinschaft Farbenindustrie Aktiengesellschaft" gehörten damit neben dem Ludwigshafener Chemieriesen auch die Firmen Hoechst, Bayer, Agfa, Weiler-ter-Meer und Griesheim-Elektron. Vorstandsvorsitzender der IG Farben wurde der bisherige Vorstandsvorsitzender der BASF, Carl Bosch. Die BASF hatte mit der Gründung der IG Farben aufgehört ein selbstständiges Unternehmen zu sein. Die Werke Ludwigshafen, Oppau und Leuna wurden zur Betriebsgemeinschaft Oberrhein zusammengefasst. Die Fusion beinhaltete für die einzelnen Firmen eine Produktionskonzentration auf bestimmte Schwerpunkte. In Ludwigshafen und Oppau wurden dementsprechend vor allem Grundstoffe und Syntheseprodukte aus der Hochdrucktechnik wie z. B. Stickstoff, Methanol und Benzin hergestellt.

Neben der großtechnischen Hydrierung von Kohle zu Benzin gelang der BASF in den 20er Jahren die synthetische Herstellung von Kautschuk, ein Verfahren, das 1930 mit dem Warenzeichen BUNA beim Reichspatentamt eingetragen wurde und als neuen wichtigen Erfolg in die Gesamtbilanz der IG Farben einbrachte. Insgesamt wurde aber auch dieser Konzern schwer durch die Weltwirtschaftskrise getroffen. Diese Krise wendete sich nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten allerdings in ihr genaues Gegenteil. "Während des Dritten Reiches hatte sich die IG Farben zu einem bis dahin beispiellosen Instrument der Kriegsführung entwickelt. Die Verkündigung des Vierjahresplanes auf dem Nürnberger Parteitag vom September 1936 bedeutete den Sieg der Autarkisten, und Göring erhielt den Auftrag, die vollständige Unabhängigkeit der deutschen Wirtschaft vom Ausland sicherzustellen. Dieser Plan, der im wesentlichen Steinkohle, Stahl und Chemie betraf, begünstigte die Chemie in besonderer Weise."

Mit einem umfangreichen Investitionsbudget ausgestattet, entwickelte sich die IG Farben zu einem Konzern, der im Jahre 1943, auf dem Höhepunkt seiner Ausdehnung, 199.500 Menschen beschäftigte, von denen ein nicht geringer Anteil Zwangsarbeiter waren. Die Bedeutung, die der Konzern und mit ihm die gesamte chemische Industrie in Deutschland im Zweiten Weltkrieg gehabt hatte, kann kaum unterschätzt werden. Ein ehemaliger Direktor der IG Farben machte während seines Prozesses in Nürnberg eine Aussage, die diese Bedeutung unterstreicht: "Ohne IG Farben, insbesondere ohne die IG Produktion auf den Gebieten des synthetischen Gummis, des synthetischen Treibstoffes und des Magnesiums wäre es für Deutschland ausgeschlossen gewesen, einen Krieg zu führen."

Dementsprechend gehörten die Betriebe der IG Farben seit 1943 zu den wichtigsten Angriffszielen der Alliierten. Auf die Werke Oppau und Ludwigshafen, die bereits kurz nach Kriegsbeginn von den ersten Luftangriffen betroffen waren, wurden bis Kriegsende insgesamt 67 Angriffe geflogen. Als die Werke am 23. März 1945 von amerikanischen Truppen besetzt wurden, waren von den 1.470 Fabrikgebäuden ein Drittel völlig zerstört und die anderen schwer beschädigt. Noch im Juli beschlagnahmte die amerikanische Militärregierung das gesamte Vermögen der IG Farben, und im November ordnete ein alliiertes Kontrollgesetz die Auflösung des Konzerns an. Die BASF unterstand in der französischen Besatzungszone einem französischen Verwalter, der anfangs die gesamten Aufgaben der Firmenleitung übernahm.

Sieben Jahre dauerte die Auflösung und Entflechtung der IG Farben insgesamt. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen den Alliierten konnte 1952 mit der Wiederzulassung unabhängiger Betriebe begonnen werden. Neben BASF und Bayer begann damit auch für die Firmen Hoechst, Casella und Hüls ein neues Kapitel in ihrer Geschichte. Da die Anlagen und das Vermögen in der sowjetischen Besatzungszone und in den polnisch besetzten Gebieten enteignet wurden, verlor die BASF sämtliche Produktionsstätten außerhalb Ludwigshafens, vor allem die Leuna-Werke bei Merseburg. Nachdem am 30. Januar 1952 eine Auffanggesellschaft gegründet worden war, wurde die Neugründung des Chemiebetriebes mit der Übertragung des Vermögens und der Neuausgabe von Aktien am 28. März abgeschlossen. Die BASF hatte ihre betriebliche Unabhängigkeit wiedererlangt und entwickelte sich in den folgenden Jahren im weltweiten Vergleich zu einem der führenden Chemiekonzerne, der aus den Erfahrungen seiner Vergangenheit die Lehren für die Zukunft gezogen hat.

Quellen

Literatur

  • 125 Jahre BASF. Stationen ihrer Geschichte. Ausstellung im Rathaus-Center Ludwigshafen 28. April bis 29. Juni 1990, Ludwigshafen 1990    
  • Rudolf Klöpper: Landkreis und Stadt Ludwigshafen a. Rh., Regierungsbezirk Pfalz. Die Landkreise in Rheinland Pfalz, Bd. 2, Speyer 1957
  • Hans-Dieter Kreikamp: Die Entflechtung der IG Farbenindustrie AG und die Gründung der Nachfolgegesellschaften, in: VjhZG 25, 1977, S. 220 - 251
  • Marie-France Ludmann-Obier: Die Kontrolle der chemischen Industrie in der französischen Besatzungszone 1945-1949 ( Veröffentlichungen der Kommission des Landtages für die Geschichte des Landes Rheinland- Pfalz, Bd. 13), Mainz 1989
  • Gerhart Wolf: Die BASF. Vom Werden eines Weltunternehmens. Schriftenreihe des Firmenarchivs der Badischen Anilin- & Soda-Fabrik AG, Ludwigshafen 1970