Der 2. November 1208. Tod Bruno IV. von Sayn, Erzbischof von Köln

Am 2. November 1208 starb Erzbischof Bruno IV. von Sayn auf Burg Blankenberg. Als erster Angehöriger seiner Familie, der eine hohe kirchliche Laufbahn einschlug, wurde er Propst mehrerer rheinischer Stifte und erhielt vor dem Hintergrund der Auseinandersetzungen um das Doppelkönigtum von Otto IV. und Philipp von Schwaben das Erzbistum Köln. Wenn er auch in dieser letzten Position vor allem aufgrund seines frühen Todes kaum politische oder administrative Spuren hinterließ, so ist Bruno von Sayn doch als wichtige Persönlichkeit der rheinischen Geschichte anzusehen. Er hat sich nicht nur wesentlich am staufisch-welfischen Thronstreit mit seinen für die Reichsverfassung des 13. Jahrhunderts gravierenden Auswirkungen - der Doppelwahl von 1198 - beteiligt, sondern hat es auch verstanden, seine geistliche Karriere für den Ausbau der Machtposition seiner eigenen gräflichen Familie zu nutzen.  

Über das Geburtsdatum und die Ausbildung des späteren Erzbischofs von Köln Bruno von Sayn ist nichts Genaues bekannt. Wahrscheinlich wurde Bruno in den 50er Jahren des 12. Jahrhunderts als Sohn des Grafen Eberhard I. von Sayn und seiner Ehefrau Kunigunde geboren. Seine beiden Brüder Heinrich II. und Eberhard II. verblieben im weltlichen Stand, während Bruno Laufbahn idealtypisch für die kirchliche Karriere eines nachgeborenen Sohnes des hohen Adels steht. Eine erste urkundliche Erwähnung Brunos liegt vom 27. Juli 1180 vor. In einer Urkunde Philipp von Heinsbergs wird er als Propst des stadtkölnischen Stiftes St. Mariengraden genannt. Die weitere Ausstattung des Sayners mit bedeutenden kirchlichen Ämtern ist als beeindruckend zu bezeichnen und erhöhte nicht nur die Machtposition Brunos, sondern auch seiner Familie. Zu einem nicht genau zu bestimmenden Zeitpunkt vor dem September 1182 kam die Propstei des traditionsreichen St. Kastorstiftes in Koblenz hinzu, das besonders auf der rechten Rheinseite reich begütert war. Die Bewerbung um den Lütticher Bischofsstuhl 1191 und die Erlangung der begehrten Bonner Propstei wahrscheinlich im Sommer 1193 sind weitere Höhepunkte der Laufbahn des Bruno von Sayn. Eine weitere Propstei verdankte Bruno seiner sehr frühzeitigen und konstanten Parteinahme für den welfischen König Otto IV., die von seinen Brüdern geteilt und unterstützt wurde. Im Rahmen des Aachener Krönungshoftages Ottos IV. erhielt Bruno die Propstei des Aachener Marienstiftes. Die sicherlich planmäßig verfolgte kirchliche Karriere Brunos, die die politischen Ambitionen seiner Familie ergänzte, stand damit auf festen Grundlagen.

Das Erzstift war mit Amtsantritt Brunos in ein staufisches und ein welfisches Lager gespalten. Bereits wenige Tage nach der Wahl kam es zu militärischen Auseinandersetzungen mit Adolf von Altena und zur Belagerung der Stadt Köln. Bruno antwortete mit einem Feldzug gegen die Grafen von Jülich, Hochstaden und Geldern. Als König Philipp, Adolf und Herzog Heinrich I. von Brabant am 29. September 1205 vor Köln erschien, zog sich Bruno mit Otto IV. in die Stadt zurück. In der Schlacht bei Wasserberg versuchten der Sayner und Otto IV. im Juli 1206 das militärische Blatt zu wenden. Die Auseinandersetzung endete mit einer deutlichen Niederlage der welfischen Partei und der Gefangennahme von Bruno IV.. Bis November 1207 wurde der Erzbischof auf dem Trifels, in Hohenems bei Bregenz, in Würzburg und in Rothenburg oberhalb der Tauber festgehalten. Philipp erhielt mit diesem Sieg und der Gefangennahme Brunos ein wichtiges Druckmittel gegen Papst Innozenz III. Es entspann sich zwischen Philipp von Schwaben und Innozenz III. ein diplomatisches Tauziehen um die päpstliche Anerkennung des Staufers und die Freilassung des Sayners, von dessen Gefangennahme sein exkommunizierter Konkurrent Adolf von Altena nicht wie erhofft profitieren konnte. Nach der Freilassung Brunos begaben sich der amtierende Erzbischof und sein Konkurrent Adolf, der zwischenzeitlich vom Bann gelöst worden war nach Rom, um sich dem päpstlichen Schiedsspruch zu unterwerfen. Mit einer endgültigen Entscheidung ließ sich der Papst allerdings Zeit. Sie wurde für den 30. November 1208 angekündigt und bis dahin sollte Bruno die geistliche Gewalt und Adolf die von ihm besetzten Burgen des Erzstiftes behalten.

Quellen

Literatur

  • J. J. Halbekann: Die älteren Grafen von Sayn. Personen-, Verfassungs- und Besitzgeschichte eines rheinischen Grafengeschlechts 1139-1246/47, Wiesbaden 1997    
  • J. J. Halbekann: Bruno IV. von Sayn. Erzbischof von Köln (um 1150 - 1208), in: Rheinische Lebensbilder, Bd. 18, Köln 2000, S. 27 - 48
  • H. Stehkämper: Bruno IV. von Sayn. Erzbischof von Köln, in: Lexikon des Mittelalters 2, Sp. 785/86.
  • E. Vierbuchen: Bruno VI. Graf von Sayn, Erzbischof von Köln (1205 - 1208), in: Heimatjahrbuch des Kreises Altenkirchen, 23, Jhg., Altenkirchen 1980, S. 263 - 267