Der 2. September 1955. Luther-Gutachten zur Länderneugliederung.

Am 2. September 1955 legte der Luther-Ausschuss sein Gutachten über die Neugliederung der Ländergrenzen vor, das auf der Grundlage des Art. 29 GG angefertigt worden war. Artikel 29 ermöglichte, um Zahl und Zuschnitt der Bundesländer nach den Gesichtspunkten der Leistungsfähigkeit und des Bevölkerungswillens ändern zu können, Volksentscheide über Grenzänderungen, die allerdings unter den Vorbehalt qualifizierter Mehrheiten gestellt waren. Die Tätigkeit und das Gutachten des Ausschusses bedeuteten für den Bestand des jungen Bundeslandes Rheinland-Pfalz, dem man Inhomogenität und Künstlichkeit vorwarf, eine ernste Gefahr. Aber obwohl ein Volksbegehren im Jahr 1956 konkrete Wünsche innerhalb der Bevölkerung nach einer Neugliederung ergab, wurde die weitere Verfolgung der Frage aufgrund der deutschland- und europapolitischen Situation bis in das Jahr 1975 verschoben. In dieser Zeit war es gelungen, die Akzeptanz des Bundeslandes deutlich zu steigern und eine solide Identifizierung der Bevölkerung zu erreichen, so dass keinerlei Interesse an einer Neugliederung mehr vorhanden war.  

"Zwar gingen mit Ausnahme von Bayern, Hamburg und Bremen alle westdeutschen Länder auf alliierte Weisung zurück, aber kein Land wurde von so vielen seiner Bewohner und in der deutschen Öffentlichkeit überhaupt so sehr als künstliches Gebilde empfunden wie Rheinland-Pfalz. Nirgends dauerte das Zusammenwachsen so lange, nirgends hatte die Regierung so sehr mit zentrifugalen Kräften zu tun wie hier, und nirgends sonst sah sich ein Land so sehr begehrlichen Blicken der Nachbarn ausgesetzt."(Fenske) Der Oberkommandierende der französischen Besatzungsmacht, General Pierre König hatte am 30. August 1946 die Deklaration über die Gründung eines rheinland-pfälzischen Landes geschaffen, das die Pfalz und die Regierungsbezirke Trier, Koblenz, Montabaur und Mainz vereinen sollte, nachdem die bisherigen Teilregionen Rheinland-Hessen-Nassau und Hessen-Pfalz mit den Oberregierungspräsidien aufgelöst worden waren. Obwohl diese Landesgründung allein der französischen Willensbildung entsprang und sich von deutscher Seite heftiger Widerstand dagegen regte, wurde eine Regierungsbildung vorgenommen und eine Landesverfassung unter Beteiligung aller politischen Parteien erarbeitet. Am 18. Mai 1947 wurde die Verfassung durch eine Volksabstimmung mit 53 % angenommen. Der knappe Ausgang dieser Wahl, aber auch die lebhafte Diskussion im Vorfeld zeigten deutlich, dass viele Bewohner des jungen Bundeslandes dieses nur als Übergangslösung ansahen. Auch Peter Altmeier, der das Land 22 Jahre als Ministerpräsident mitprägen sollte, formulierte in dieser Phase seine Überzeugung von der notwendigen territorialen Neugliederung mehrfach.