Der 1. März 1954. Rosenmontag in Koblenz und Umgebung

Am 1. März 1954 stand das Erscheinungsbild der Rhein-Zeitung Koblenz ganz im Banne von Narretei und Karneval. Neben der Ankündigung der vielfältigen Karnevalsveranstaltungen, die an diesem Rosenmontag stattfanden und der Berichterstattung über die Umzüge, die in der näheren Umgebung von Koblenz bereits am Sonntag stattgefunden hatten, stand natürlich der Rosenmontagsumzug der Stadt im Mittelpunkt. Nachdem der Karneval in der Rhein-Mosel Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg bereits 1946 seine Wiederauferstehung gefeiert hatte, war er bis 1954 längst schon wieder zu einer Institution geworden, die nicht mehr wegzudenken ist.

Rhein-Zeitung 1.3.1954
(LHAKo Bestand 709,2, Nr. 26)

"Das Barometer der Narretei steht in unserer Jokusstadt auf Sturm. Seit gestern! Seine Tollität umgeben von ihren Närrinnen und Narren, den Koblenzer Karnevalsgesellschaften, zog mit klingendem Spiel zum Rathaus. Es war kein Sturm auf die Stadtverwaltung mehr nötig. Oberbürgermeister Schnorbach übergab ihm in freudiger Stimmung nach altem Brauch die Schlüssel zu den Geheimkammern der Stadt und zu den Herzen der Koblenzer Schängel und Schängelinchen. Damit begannen offiziell in der Jokusstadt die "drei tollen Tage". So berichtete die Koblenzer Ausgabe der "Rhein-Zeitung" am 1. März 1954 über den Beginn der heißen Phase des Karnevals in der Region. Auch schon vor fünfzig Jahren drängte der Karneval in der "fünften Jahreszeit" Sorgen und Arbeit so erfolgreich beiseite, dass sogar das Erscheinungsbild der Tageszeitungen davon eindeutig geprägt wurden.

Rhein-Zeitung 1.3.1954
(LHAKo Bestand 709,2, Nr. 26)

Es war im Jahre 1954 noch nicht sehr lange her, dass der Karneval nach dem Zweiten Weltkrieg in der Trümmerstadt Koblenz seine Wiederauferstehung gefeiert hatte. Bereits 1946 konnten die Koblenzer ein Fastnachtsprogramm miterleben, das von Alexander Ilgner und Jupp Dommermuth in Szene gesetzt worden war. Kurz danach wurde bereits die erste "echte" öffentliche Sitzung durchgeführt. "Es sind die Funken Rot-Weiß unter ihrem Präsidenten Jupp Thunert, die es wagen, schon 1946 so zu tun, als sei Ihnen zum Lachen zumute. Und gelacht wird lauter denn je. Kaum jemand kann sich erinnern, jemals so viel Spaß gehabt zu haben." Dieser ersten Sitzung, die mit mitgebrachten Getränken und selbstgebastelten Orden bestritten wurde, folgten 1947 weitere, die wiederum von den Funken Rot Weiß und von der Großen Karnevals-Gesellschaft organisiert wurden. Seit 1948 kehrte langsam wieder Normalität in den karnevalistischen Alltag ein. Im Jahr 1949 gab es auch wieder einen Rosenmontagszug in der Rhein-Mosel Stadt. "Sogar einen Prinzen gibt es, der sich jetzt allerdings noch bescheiden Statthalter nennt. Er wird von Walter Dassel verkörpert."

Von diesen schwierigen Anfängen ist im Jahr 1954 nur noch wenig zu spüren. Die Rhein-Zeitung berichtete von den munteren und sehr vielfältigen Veranstaltungen der Narren "in ihren farbenprächtigen Uniformen, die immer eleganter und schöner werden." Der Rosenmontagszug, der an diesem 1. März gegen 14:00 Uhr vom Clemensplatz startete, bot 24 Kapellen, 30 Wagen und 22 Fußtruppen. Zur Vorbereitung des närrischen Treibens gab die "Rhein-Zeitung" noch einmal Verhaltensregeln für alle Koblenzer. "Was ist beim Rosenmontagszug zu beachten? Schmückt die Straßen, durch die er zieht! Schützt alle Transparente und Glasscheiben! Folgt den Anweisungen der Ordner und der Polizei, für die Rosenmontag kein Vergnügen, sondern Dienst bedeutet! Und an die Karnevalisten ergeht die Bitte: Zielen mit den zur Verteilung kommenden Sekt- und Likörflaschen nicht direkt auf die Köpfe der Zuschauer! Auch Apfelsinen und Bananen sind nicht die rechte Munition, um die "Trauergemeinde" in Stimmung zu versetzen. Sollte der Beifall einmal recht dürftig sein, dann bombardiert die lahmen Schängel lieber mit Witz und Humor." 

Bei wunderschönem Frühlingswetter konnten die Koblenzer ihren Rosenmontagszug genießen. "Heinrich II. von der Farbenpracht erschien mit seinem Gefolge im alles vergoldenden Sonnenschein noch farbenprächtiger als man ihn bisher bei Jupiterlampen und Neonbeleuchtung erleben durfte. ... Weniger Prunk dafür mehr Witz. Das war die Devise. ... Die Koblenzer verstanden es, ein wirklich farbenprächtiges Bild zu bieten. Motorroller rollten als Herolde der Neuzeit in den Straßen auf, dann folgten die Vorreiter mit Standarte, eine der 24 Musikkapellen und schon waren die Beschauer mitten in den humoristischen Teil geführt. ... Zu den schönsten Wagen gehörte zweifellos der zu Pappe erstarrte Ruf. Wir wollen unseren alten Kaiser Wilhelm wiederhaben. In plastischer Darstellung zog das Deutsche Eck mit Spitzenreiter durch die Straßen. Werner Kratz mit Pickelhaube und Kaiser-Wilhelm-Bart auf einem Schaukelpferd. Jupp Thunert und Willi Hörter sen. machten ebenfalls gute Figuren auf den Paradepferdchen. Ein Denkmal und drei Kaiser - bei Rot-Weiß ! " Nach einem Wetterumschwung musste der zweite Teil des Zuges teilweise im Schneegestöber weiterfahren, was der guten Laune und der Begeisterung aller Beteiligten allerdings nichts anhaben konnte. "Höhepunkt und Schluß des Zuges bildete der Prinzenwagen. In einer Seerose thronte Heinrich II. Dieser Wagen fand Begeisterung."


Der Rosenmontagszug war aber nicht der einzige närrische Programmpunkt an diesem Tag. Um 20:00 Uhr begann ein Kostümfest im Koblenzer Hof, dessen Programm "von Kräften des Stadttheaters, von Funk und Kabarett" gestaltet wurde. Auch die K.K. Funken Rot-Weiß veranstaltete an diesem Tag einen Maskenball im Autohaus Ford-Foerster. Dies waren allerdings nur einige Programmpunkte rund um den Höhepunkt, den Koblenzer Karnevalsumzug. Die Rhein-Zeitung von diesem Tag berichtete natürlich auch von den Veranstaltungen aus der näheren Umgebung der Stadt.

Damit bot die Rhein-Zeitung einen kleinen Ausschnitt des mittelrheinischen Karnevalsangebotes, das sich bereits im Mittelalter entwickelt hatte und nach dem Zweiten Weltkrieg schnell wieder seinen angestammten Platz als fünfte Jahreszeit übernommen hatte und weder 1954 noch fünfzig Jahre später aus dem Jahresverlauf wegzudenken ist.

Quellen

Literatur

  • D. Buslau: 2000 Jahre Fasenacht in Koblenz, Koblenz 1976    
  • A. Döring: Feste und Feiern im Wandel der Zeit. 2000 Jahre an Rhein und Mosel, Heft 5, Koblenz 2000
  • J. Eisenach: Geschichte des Coblenzer Karnevals 1824 - 1912, Coblenz 1924
  • 150 Jahre. Große Koblenzer Karnevalsgesellschaft e. V. 1847 - 1997. Festschrift zum 150jährigen Jubiläum, Koblenz 1997