Vor 60 Jahren
Der 7. März 1945. Die Brücke von Remagen.
Die im Jahre 1918 fertiggestellte Rheinbrücke zwischen Remagen und Erpel erlangte in den letzten Wochen vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine entscheidende Bedeutung. Als das "Wunder von Remagen" ging die kampflose Eroberung der unbeschädigten Ludendorffbrücke durch amerikanische Truppen in die Geschichte ein. Die Eroberung der Brücke, die den weiteren Vormarsch der Alliierten deutlich erleichterte, hatte den Kriegsverlauf um Monate verkürzt.
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Bereits zwei Jahre vor dem 1. Weltkrieg war die Rheinbrücke zwischen Erpel und Remagen geplant worden. "Der Chef des preußischen Generalstabes, Graf von Schliefen, hatte ihren Bau und den ihrer Schwesterbrücken in Engers und Rüdesheim im Rahmen seiner Aufmarschpläne für den nächsten Krieg gegen Frankreich gefordert." (Friedensmuseum Remagen) Aber erst zwei Jahre nach dem Ausbruch des Krieges konnte mit dem Bau der Stahlbrücke begonnen werden. Die 325 m lange Brücke, die nach den Plänen des Mannheimer Architekten Carl Wiener errichtet wurde und als Verbindung der Ahrbahn mit dem Eisenbahnnetz ostwärts des Rheines dienen sollte, wurde dementsprechend erst im Jahre 1918 fertiggestellt. Die zweigleisige Eisenbahnbrücke, die mit Fußgängerstegen versehen war, hatte dadurch keinerlei kriegsrelevante Bedeutung mehr. Deutsche Soldaten, die aus dem Krieg heimkehrten, gehörten damit zu den ersten, die die Brücke passierten.
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Besondere Bedeutung erlangte die Ludendorffbrücke, die als eine der schönsten Stahlbrücken über dem Rhein galt, erst in der entscheidenden letzten Phase des Zweiten Weltkrieges. Während das Gebiet des Mittelrheins und damit auch die Rheinbrücken in den ersten Kriegsjahren kaum kriegsrelevante Bedeutung hatten, änderte sich das nach der Invasion der Alliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 schlagartig. Systematisch wurden Angriffe auch auf die Ludendorffbrücke geflogen, was für die Menschen, die in ihrer unmittelbaren Umgebung lebten dramatische Folgen hatte. Zwar hatte es bereits vor dem Frühjahr des Jahres 1944 Bombenangriffe auf die Stadt Remagen und ihre Umgebung gegeben, aber das waren "Begleiterscheinungen der alliierten Angriffe auf die großen Industrie- und Verkehrszentren an Rhein und Ruhr". Die schwersten Angriffe erlebten die Menschen, die in unmittelbarer Nachbarschaft der Brücke wohnten, Ende des Jahres 1944 und Anfang 1945. Nicht selten wurde in den Bombennächten, denen zahlreiche Zivilisten und Soldaten der "Brückensicherungskompanie" zum Opfer fallen, die Brücke verflucht.
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Im März war die gesamte Eifel von alliierten Truppen besetzt. Die deutschen Soldaten mußten vor den nachrückenden Amerikaner immer weiter zurückweichen. Wegen des schnellen Vormarsches der Amerikaner wurde die Ludendorffbrücke am 6. März für eine Sprengung vorbereitet. Für die Sprengung standen 600 kg TNT zur Verfügung, die durch eine elektrische Zündleitung zur Explosion gebracht werden sollten. Darüber hinaus war eine sogenannte Schnelladung vorgesehen, die gezündet werden sollte, "wenn beschleunigtes Zünden notwendig ist, z.B. im Falle des Störens der planmäßigen Sprengvorbereitungen durch den Feind." (Brüne/Weiler) Für diese Schnellsprengung wären ebenfalls 600 kg Sprengstoff notwendig gewesen, es wurde allerdings nur die Hälfte geliefert und an der Brücke angebracht.
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Am Morgen des 7. März, einem diesigen und regnerischen Tag, standen für den Schutz der Ludendorffbrücke nur noch wenige Soldaten zur Verfügung. Die Flakhelfer, vor allem jugendliche Schüler und Lehrlinge, erhalten den Befehl ihre Stellungen zu verlassen und nach Hause zurückzukehren. Der Strom von Truppenteilen, die auf ihrem Rückzug vor den Alliierten die Brücke überqueren, riß nicht ab. Am 6. März wurde die Brücke dem Kommando von Major Scheller unterstellt, der am 7. März zwischen 10 und 11 Uhr in Remagen eintrifft. Scheller wollte die Brücke auf der linken Rheinseite weiter verteidigen, um sie für den Übergang von weiteren Truppenteilen offenzuhalten. Seine Bemühungen, ausreichend Soldaten für die Sicherung der Brücke zusammenzuziehen, scheiterten. Die Brückensicherungskompanie geriet in Gefangenschaft, nicht wenige Soldaten waren bereits untergetaucht.
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Als sich die Amerikaner immer weiter näherten, wurde gegen 15.20 Uhr schließlich der Befehl für die Sprengung gegeben. Aufgrund eines Defekts der elektrischen Zündleitung, der wahrscheinlich bei dem Beschuß der Brücke entstanden war, konnte die Sprengladung nicht zur Detonation gebracht werden. Auch der Versuch, die Brücke durch die Schnelladung zu zerstören, scheiterte. Die Sprengladung war zu schwach. Die Brücke wurde lediglich etwas angehoben und fiel dann ohne größere Schäden in ihre Lager zurück. Wenig später gelang es der Vorhut der 9. US-Panzerdivision unter Führung des deutschstämmigen Karl H. Timmermann die intakte Brücke zu erobern "Diese Eroberung ging als das Wunder von Remagen in die Annalen der Kriegsgeschichte ein. General Eisenhower rief aus: Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert." (Friedensmuseum Remagen) Die Inbesitznahme der Ludendorffbrücke, die ohne Kampf und Gegenwehr durchgeführt werden konnte, hatte sicher zu einem schnelleren Ende des Zweiten Weltkrieges beigetragen. Die Offiziere und Soldaten, die von der Brückenbesatzung noch übrig geblieben waren und mit der Zivilbevölkerung in dem Eisenbahntunnel Schutz gesucht hatten, gerieten in Gefangenschaft.
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In den folgenden Tagen versuchte die deutsche Heeresleitung immer wieder, die Brücke durch Bombenangriffe und Kampfschwimmer zu zerstören, um damit die Überquerung des Rheins durch die Amerikaner und ihren weiteren Vorstoß zumindest zu verzögern. Nachdem zahlreiche Truppenteile der Amerikaner die Brücke passiert hatten und zwei Pontonbrücken als weitere Rheinübergänge gebaut worden waren, stürzte die schwerbeschädigte Brücke am 17. März schließlich ein. 28 amerikanische Soldaten, die mir Reparaturarbeiten an der Brücke beschäftigt gewesen waren, wurden mit in den Tod gerissen.
Hitler vermutete hinter den Ereignissen an der Ludendorffbrücke Verrat und ordnete am 9. März eine Untersuchung durch das sogenannte "Fliegende Standgericht" an. Vom 11. bis 13. März tagte dieses Schnellgericht in Rimbach und Oberirsen und verurteilte fünf Offiziere zum Tode. Vier Todesurteile wurden direkt durch Erschießen vollstreckt. Der fünfte Offizier war bei der Eroberung der Ludendorffbrücke in amerikanische Gefangenschaft geraten und damit dem sicheren Tod entkommen. "Nach dem Krieg wird die Brücke bald zu einem Ort des kollektiven Gedächtnisses für eine ganze Generation. Seit den 80er Jahren finden an den Überresten der Brücke gemeinsame amerikanische-deutsche Veteranentreffen statt. Die Brückentürme werden als stumme Zeitzeugen des Krieges zum Mahnmal für den Frieden." (Friedensmuseum Remagen) Am 7. März 1980 konnte in den Brückentürmen der Remagener Seite eine Gedenkstätte und ein Museum eröffnet werden, das die Geschichte der Ludendorffbrücke und insbesondere die Ereignisse am Ende des Zweiten Weltkrieges dokumentiert. Hierzu gehört auch die leidvolle Geschichte der Gefangenenlager, die die Alliierten westlich des Rheins anlegten, um die große Zahl deutscher Kriegsgefangenen aufnehmen zu können.
Quellen
- LHAKo Bestand 710, Nr. 6380 Amerikanische Soldaten an der Ludendorffbrücke, 1945
- LHAKo Bestand 710, Nr. 6381 Amerikanische Soldaten an der Ludendorffbrücke, 1945
- LHAKo Bestand 710, Nr. 7641 Ludendorffbrücke, 1945
- LHAKo Bestand 710, Nr. 7644 Flakhelfer an der Ludendorffbrücke, 1945
- LHAKo Bestand 710, Nr. 7663 Luftangriff auf Remagen, 1945
- LHAKo Bestand 710, Nr. 7788 Ludendorffbrücke, 1945
Literatur
- L. Brüne, J. Weiler: Remagen im März 1945, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, hg. v. H. - G. Borck und H.W. Herrmann, 21. Jahrgang, 1995, S. 503-540
- L. Brüne, J. Weiler: Remagen im März 1945. Eine Dokumentation zur Schlussphase des 2. Weltkrieges, Remagen 1994
- K. Kleemann: Die Kriegsgefangenenlager Remagen und Sinzig, in: Jahrbuch für westdeutsche Landesgeschichte, hg. v. H.-G. Borck und H.W. Herrmann, 20. Jahrgang, 1994, S. 451-480
- R. Palm: Die Brücke von Remagen. Der Kampf um den letzten Rheinübergang - ein dramatisches Stück deutscher Zeitgeschichte, München 1985







